Ein Heimatdorf für Stadtmenschen

Geringer Ressourcenverbrauch, viel Partizipation, maximale Durchmischung: In Lausanne hat Tribu Architecture für die Genossenschaft Le Bled ein Haus voller Ambitionen gebaut.

Text: Deborah Fehlmann
Fotos: Cédric Widmer
27.11.2023 08:00

Der Gegenentwurf zum kapitalistischen Wohnungsbau sieht enttäuschend gewöhnlich aus: Ein neungeschossiger Klotz an einer Hauptstrasse in Lausannes Norden, umgeben von ebenso mächtigen Klötzen und eingepackt in eine Rasterfassade aus mausgrauen Betonelementen. Schwer zu glauben, dass hinter diesen nüchternsten aller Aluminiumfenster eine vielfältige, solidarische und nachhaltige Gemeinschaft gedeihen soll. ‹Le Biotope› steht am Eingang an der Hausecke – immerhin der Name verspricht also lebendige Vielfalt. Der Raum hinter den Glasscheiben wirkt dunkel, doch kaum ist die Klingel verstummt, fliegt auch schon die Tür auf. «Bienvenue!» Beschwingt führt Laurent Guidetti von Tribu Architecture seine Besucherin an den langen Tisch im Foyer seiner Arbeitsstätte. Auch im Innern dominiert der Beton, wobei hölzerne Fensterrahmen und Lamellendecken die Atmosphäre temperieren. Durch die hohen Fenster fällt viel Tageslicht.

Wohn- und Gewerbehaus Le Bled, 2023
Rue Elisa-Serment 1, 3, 5 / Route des Plaines-du-Loup 43, Lausanne VD
Bauherrschaft: SCCH Le Bled, Lausanne
Architektur: Tribu, Lausanne
Auftragsart: Direktauftrag, 2017
Statik: Ingeni, Lausanne
Landschaftsarchitektur: Approches, Lausanne
Gesamtkosten (BKP 1–9): Fr. 37,18 Mio.
Baukosten (BKP 2 / m3): Fr. 858.—