Die Aushöhlung

Das Klima steht weit oben auf der politischen Agenda. Doch wird es konkret, wächst der Widerstand. So hat etwa der Zürcher Kantonsrat eine Unterbauungsziffer abgelehnt.

Text: Gabriela Neuhaus
Fotos: Illustration: Céline Meyrat
01.07.2024 08:00

Wer in Zürich lebt und mit offenen Augen durch das eigene Quartier geht, kann Woche für Woche einen Blick in die Zukunft werfen: Bauprofile, die eine alte Liegenschaft überragen, kündigen Veränderung an. Als Nächstes folgen Abrisshammer und Kettensäge, dann fahren Bagger auf und heben auf dem von Haus und Garten befreiten Grundstück eine Baugrube aus. So geschehen auch am Südhang des Hönggerbergs im Frühling 2022, wo mitten in einem stark begrünten Ein- und Zweifamilienhausquartier zwei Ersatzneubauten erstellt wurden.

Das Revisiönchen
Der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne) wollte vorwärtsmachen. Seine Vorlage ‹Klimaangepasste Siedlungsentwicklung› für die Revision des kantonalen Planungs- und Baugesetzes sollte die substanzielle Begrünung des Siedlungsgebiets fördern und den Boden schonen: weniger Versiegelung, mehr Bäume, stärkere Dachbegrünungen, kleinere Pflanzabstände zu Strasse und Nachbarn und weniger verbautes Erdreich. Der Kantonsrat billigte zwar einige neue Regeln: für eine ökologischere Begrünung, für den Erhalt und das Pflanzen von Bäumen, für die Rücksicht auf das lokale Klima, etwa bei Kaltluftströmen. Aber ausgerechnet die wirksame Unterbauungsziffer lehnte er ab. Damit darf der Untergrund einer Parzelle für Keller und Tiefgaragen weiterhin komplett ausgehöhlt werden, und den Gemeinden fehlt auch künftig die Grundlage, um die Zerstörung des Bodens einzudämmen.

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