Die Begegnung zwischen Mensch und Roboter ist emotional aufgeladen. Justine Emard, ‹Co(AI)xistence›, 2017, Video Still.
Die Begegnung zwischen Mensch und Roboter ist emotional aufgeladen. Justine Emard, ‹Co(AI)xistence›, 2017, Video Still.

Gefühlsecht

Das Haus der Elektronischen Künste in Basel zeigt bis Sonntag, wie Technologien Emotionen erfassen, bewerten oder erzeugen. Dabei spielt das Gesicht eine wichtige Rolle.

Text: Meret Ernst
11.11.2020 08:00

«Die Augen liegen zu tief in der Höhle, das sieht nicht echt aus», sagt eine Schülerin. Die Klasse steht im Haus der Elektronischen Künste in Basel vor vier Bildern der Künstlerin Maija Tammi. «Der Haaransatz irritiert, da ist etwas falsch», sagt eine andere. Der Werktitel stellt das Rätsel: «One of them is a Human.» Die gerahmten Fotoporträts zeigen drei Androide und einen Menschen. Doch welches Abbild verweist worauf? Ein paar Wortmeldungen später, der Fall ist geklärt. Aber nicht, weshalb diese Bilder, die sich in eine lange Tradition westlicher Porträtkunst stellen, so anziehend sind. Und so unheimlich. Alle vier Aufnahmen wurden in den Labors von Hiroshi Ishiguro gemacht. Sie sind perfekt ausgeleuchtet, die Gesichtszüge der Dargestellten sind ausdruckslos. Auch das Porträt des Robotik-Spezialisten Hiroshi Ishiguro. Oder fehlt uns hier schlicht die Erfahrung, feinste emotionale Regungen in asiatischen Gesichtszügen zu lesen?

Ausstellung und Katalog
‹Real Feelings. Emotionen und Technologie› ist bis 15. November zu sehen im Haus der Elektronischen Künste in Basel. Kuration: Sabine Himmelsbach, Ariane Koek, Angelique Spaninks. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der die Werke der zwanzig Künstlerinnen und Künstler dokumentiert und um künstlerische und wissenschaftliche Texte ergänzt.