Maiensässe ausbauen? Gemach.
Der Nationalrat will mit einer Motion aus Maiensässen Ferienhäuser machen. Das ist falsch – und das hilft: Die Zersiedelungs-Initiative der Jungen Grünen ist richtig.
Die emsigen Freunde des Maiensässes heben das Glas – sie haben eine Etappe gewonnen. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat einer Motion zugestimmt, dass aus nicht mehr gebrauchten Ställen auf Maiensässen und anderswo ausserhalb der Bauzone Ferienwohnungen werden können. Sie haben diesen falschen Entscheid zwar noch mit Pflichten dekoriert wie landschaftlicher Sorgfalt und architektonischer Güte, was aber nebensächlich ist und Futter für Anwälte hergeben wird. Es ist unnötig, weitere Alpen- und Voralpenlandschaften für die Ferienfreude zu befestigen. Auch auf dem Maiensäss wollen wir nicht so leben wie die Rinder, wir brauchen eine fürs Auto komfortable Strasse, gerne auch im Winter befahrbar, Kalt- und Warmwasser, Kläranlage, einen anständigen Zaun gegen Wanderer und andere, einen Gartengrill, eine Fahnenstange. Und unnötig ist auch, dass den Besitzern der alten Ställe per Gesetz reiche Geldquellen geöffnet werden; gleichsam über Nacht steigt der Wert ihres Stalls von Null auf 200'000 bis 300'000 Franken, bescheiden gerechnet, wenn wir die Inserate für Maiensässe betrachten, die im Kanton Graubünden je nach Lage gut und gerne 800'000 Franken gelten. Rechne: Wie viel werden allein im Tessin, Graubünden und dem Wallis die 70'000 Stallliegenschaften über Nacht wert? Und vom Einkassieren solcher Goldgräberei aus Planungsgewinnen spricht selbstverständlich kein Maiensäss-Freund. Er lobt lieber seinen Beitrag zum Schutz von Kulturlandschaft. «Es gibt das Gesetz zur Zweitwohnung – etliche Ställe stehen in Gemeinden, wo keine Ferienwohnung mehr gebaut werden kann.» rufen die Beruhiger. Im Prinzip haben sie recht. Aber das Votum von Nationalrat Franz Ruppen aus dem Oberwallis weist den Weg – wo ein Stall steht, der ein Ferienhaus wird, ist keine Zersiedelung, denn der Stall ist ja schon da. Und ausserdem steht er nicht in der Bauzone, die aber gilt für das Zweitwohnungsgesetz, fügen Schlitzohren dazu.
Nun, gewonnen haben die Maiensässler eine Etappe. Die Motion muss nun Gesetz werden und wird wohl in die laufende Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG 2), aufgenommen werden. Der Entwurf ist eh schon ein Löchersieb fürs Bauen ausserhalb der Bauzone. Da kann das Ausbauen der Maiensässe ihm die Krone aufsetzen. Das wird die Ablehnung der zur Landschaft und Natur Sorge Tragenden beflügeln. Viel zu früh, von einem Referendum zu reden, aber die Motion, Gesetz geworden, würde helfen, das eh schon wackelnde Fuder an Zumutungen zu kippen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sind verlässlich geworden, wenn Landschaft sorgsam behandelt werden soll.
Nebst dem wackligen RPG 2, über das wir vielleicht abstimmen werden, tun wir das sicher über die «Zersiedelungs-Initiative» der Jungen Grünen. Sie macht mit dem Ausbau der Ferienlandschaft ausserhalb der Bauzone kurzes Federlesen – fertig lustig, geht nicht. Ausser aus Maiensässen würden SAC-Hütten. Die Motionen des Parlamentes helfen, die Reihen zu schliessen. Sie helfen Bedenken zu kühlen, die Jungen Grünen wollten es gar wacker radikal haben. Radikal haben will es die bürgerliche Mehrheit der Bundesversammlung, die zu Gunsten von Goldgräbern auf Maiensässen eine langjährige Übereinkunft kippt: Ausserhalb der Bauzonen wird nicht gebaut!