Auf Hülle und Füllung

Noémie Soriano reduziert die Matratze aufs Wesentliche und macht sie zirkulär. Mit ihrem konsequent gedachten Entwurf gewinnt die Designerin den silbernen Hasen.

Text: Susanna Koeberle
Fotos: Noémie Soriano
13.12.2022 11:00

Bedenkt man, dass wir ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen, müssten Matratzen längst im Visier der Designwelt stehen. Doch vielleicht ist dieser Gegenstand zu banal, um das Interesse von Designschaffenden zu wecken. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass Noémie Soriano kaum Vorbilder fand, als sie beschloss, die Matratze zum Thema ihrer Abschlussarbeit zu machen. Das war per se keine schlechte Voraussetzung – Neuland zu betreten, ist ein Privileg, das man als Studierende nutzen sollte. Und weil ein Objekt äusserlich wenig Entwicklungspotenzial hat, spricht das noch lange nicht dagegen, dass man es genauer untersuchen sollte. Genau das hat Soriano mit ihrem Projekt ‹Matalàs› getan. Sie begann ihre Abschlussarbeit bei Maddalena Casadei und Stéphane Halmaï-Voisard (assistiert von Silvio Rebholz) mit der Analyse des Innen- und Nachlebens einer Matratze. Ihr Interesse für das designtechnisch vernachlässigte Objekt gründete auch auf persönlichen Erfahrungen: Während eines Zwischenjahrs zog Soriano oft um und merkte, dass die Matratze das wichtigste Wohnaccessoire ist, wenn es darum geht, sich an einem neuen Ort niederzulassen.

‹Matalàs›, 2022 – Rezyklierbare Matratze
Recherche, Design und Prototyp: Noémie Soriano
Material Hülle: Leinen, Baumwolle
Material Füllung: recycelte Schafwolle, Stahlfedern

Noémie Soriano
Die 26-jährige Designerin wuchs in Südfrankreich auf. Ihre Faszination für Objekte führte sie zum Design. Nach einer ersten Ausbildung in Produktdesign und nach einem Jahr an der Kunsthochschule in Toulouse beschloss sie, ihr Studium an der Ecal in Lausanne fortzusetzen. 2022 schloss sie mit einem Bachelor in Industriedesign ab. Soriano absolviert derzeit ein Praktikum bei Dimitri Bähler Studio in Biel.

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