Schweizer Wolle: Hochleistungsfaser und Abfall zugleich
Wolle ist eine Alleskönnerin – und trotzdem geringgeschätzt. Ein Blick auf Geschichte und Gegenwart zeigt, warum das so ist. Die Zukunft verlangt einen anderen Umgang mit dem wertvollen Rohstoff.
Die Schweiz ist ein rohstoffarmes Land. Es gibt Ton, Gestein, Salz – und Schafwolle. Mehr als 400 000 Schafeleben hier, jedes bringt jährlich um die 4 Kilogramm flauschigen Rohstoff auf die Waage. Verwertet wird nur ein Teil der Wolle, der Rest landet im Abfall. Gründe dafür gibt es viele. Fast alle haben mit Geld zu tun: Seit der Weltmarkt mit billiger Synthetik geflutet wird, bringt Wolle immer weniger ein. In vorsynthetischer Zeit verdienten Schafhalter*innen damit einen guten Teil ihres Einkommens. Heute kostet die Schur 5 bis 8 Franken pro Schaf. Ein Kilo bester weisser Wolle bringt jedoch nur noch etwa 80 Rappen ein, braune halb so viel.