Ratlos in Mailand
Die 62. Ausgabe des Salone del Mobile ist vorbei. Trotz des performativen Kraftakts, den Stadt und Branche jährlich mobilisieren, hinterlässt die Mailänder Designwoche zwiespältige Gefühle.
Rund 361'400 Designschaffende, Einkäufer, Innenarchitektinnen und Interessierte sind zur 62. Mailänder Möbelmesse gekommen. Bei weitem kein Rekord, aber immerhin knüpft die Zahl an vorpandemische Zeiten an. Es geht wieder aufwärts, möchte man meinen. Wohin es genau geht, blieb allerdings unklar: Zwar vermag Milano noch immer etwas vom Glanz vergangener Tage zu versprühen – dazu tragen auch die Besucherinnen sowie die Mailänder selbst bei, die mit klotzigen Sandalen zum eleganten Mantel oder Schnauz und Dächlikappe ihre Zugehörigkeit zur Kreativszene signalisieren. Doch von den alten Verheissungen ist wenig übriggeblieben. Einst versprach der Salone del Mobile ein besseres Leben dank Möbeln und Leuchten, die den modernen Menschen in seinem Vorankommen unterstützen sollten. Ihr Unvermögen, dieses Versprechen einlösen zu können, kompensierten die Möbelhersteller mit einem Mehr an Fläche, Inszenierung und Show, die ihrerseits ein Mehr an Ausstellerinnen, Events und Besucherinnen anzogen.
Die 62. Ausgabe des Salone del Mobile fand vom 16. bis 21. April 2024 statt. Vor Ort waren 2000 Aussteller aus 35 Ländern, 361 417 Besucherinnen und Besucher aus 130 Ländern, vor allem aus China, gefolgt von Deutschland und Spanien. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2018 reisten 434 509 Besucherinnen an, die 1841 Ausstellern gegenüberstanden.
