Handwerk ist Zukunft (4/7)

Wie arbeiten Designschaffende im Libanon? Die Agenturleiterin Zeina Raphael erklärt, warum das Handwerk unverzichtbar ist für ihr Land.

Text: Mirjam Rombach
Fotos: Tarek Moukaddem
17.05.2023 12:00

The Ready Hand› entstand, nachdem die Hafenexplosion grosse Teile von Beirut zerstört hatte. Zusammengefunden haben Pascale und ich, weil sie ihr schwer beschädigtes Haus wieder aufbauen wollte. Sie merkte damals, dass nur noch wenige Handwerker traditionelle Bautechniken beherrschen. In Beirut gab es bloss einen Mann, der Decken nach der sogenannten Baghdadi-Methode restaurieren konnte. Darum wollte sie ein Buch schreiben über all die Handwerksberufe, die zu verschwinden drohen und Teil unseres Kulturerbes sind. Ich besuchte damals regelmässig libanesische Designstudios. Viele von ihnen sind international erfolgreich, produzieren aber in Frankreich oder Italien. Deshalb hatte ich die Idee, eine Datenbank aufzubauen. Sie soll Designschaffenden helfen, einfach an libanesische Handwerkerinnen und Handwerker heranzukommen, und alle Berufe abdecken.

Pascale Habis (51) verbrachte ihre Kindheit in England und studierte in Beirut Kommunikationskunst und Grafikdesign. Nach Berufsjahren als Grafikerin eröffnete sie ein Boutique-Museum, brachte das Rezeptbuch ‹Beirut Cooks› heraus und lancierte Diamondogs, ein Luxuslabel für Frauen, das mit libanesischen Kunsthandwerkern kooperiert. Sie ist Mitgründerin der Initiative ‹The Ready Hand›. 

Zeina Raphael (45) wuchs in Frankreich auf. Nach einem Soziologiestudium war sie im Libanon als Journalistin tätig. Danach arbeitete sie in Paris für das libanesische Modehaus Elie Saab, ehe sie die PR-Firma Almaz Communication gründete. 2015 zog sie nach Beirut und eröffnete dort die Agentur Almaz Collectible Design, die libanesische Designschaffende vertritt. Seit 2021 leitet sie zusammen mit Pascale Habis ‹The Ready Hand›.

‹The Ready Hand›
Die unabhängige Initiative, gegründet 2021, will das kulturelle Erbe des libanesischen Handwerks lebendig halten und Wissen an jüngere Generationen vermitteln. Sie bringt Handwerkerinnen und Designer zusammen und trägt so zu deren Existenzsicherung bei. Die Initiantinnen betreiben einen Instagram-Kanal, lancieren bald einen Youtube-Kanal und erarbeiten eine öffentliche Datenbank, die über eine App und eine Website zugänglich ist. Parallel dazu entwickeln sie eine Publikation, die sämtliche Berufe des reichen libanesischen Kunsthandwerks abbilden soll.

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