«Geruch ist schuldig, bis seine Unschuld bewiesen ist»
Die Architektin Tatiana Kulminska alias Tanski erforscht, wie Städte riechen. Zurzeit nimmt sie an der Designbiennale Zürich teil. Ein Gespräch über die Macht des Dufts.
Sie sind Architektin und Parfümeurin. Wie bringen Sie diese eigenwillige Kombination zusammen?
Tatiana Kulminska: Architektur sollte alle Sinne ansprechen. An Schulen wie der ETH wird das zwar unterrichtet, doch es findet im Arbeitsalltag nicht statt. Ich versuche deshalb, das Bewusstsein für den Geruchssinn zu stärken. Bei Wettbewerbsprojekten zum Beispiel sprechen wir mit Landschaftsarchitektinnen oft nur über Technisches, etwa darüber, wie tief die Wurzeln eines Baumes reichen oder wie viel Schatten er spenden wird. Wenn ich auf seinen Duft hinweise und vorschlage, ihn in die Planung einzubeziehen, reagieren viele irritiert.
Tatiana Kulminska alias Tanski (36) ist auf der Krim aufgewachsen. Nach dem Physikstudium in St. Petersburg zog sie nach Deutschland, wo sie an der TU Berlin Architektur studierte. Seit 2014 lebt sie in Zürich, wo sie einen Master-Studiengang an der ETH absolviert hat. Tanski bewegt sich zwischen Architektur, Kunst und öffentlicher olfaktorischer Performance. Sie ist Gründerin des Labels Verdandi Perfume.
Designbiennale Zürich
Die Installation ‹Gaia› von Tanski/Kosmos ist Teil der Designbiennale in Zürich, die vom 1. bis 19. September im Alten Botanischen Garten stattfindet. Die vierte Ausgabe widmet sich dem Thema ‹Shift›: 15 Installationen rund um digitale Pflanzen- und Tierwelten, Data-Design, Upcycling und virtuelle Realität thematisieren kleine und grosse Transformationen. Neben täglichen Führungen (teilweise mit integriertem Apéro) finden Workshops und diverse weitere Veranstaltungen statt. Die Kuratorinnen der Designbiennale Zürich sind auch Initiantinnen der gleichzeitig stattfindenden ‹Zurich Design Weeks›.
