«Ein Lab für die Welt» (3/7)

Wie arbeiten Designschaffende im Libanon? Der Designer Marc Baroud erzählt von Brachland in der Designausbildung, Graswurzelbewegungen und kolonialisiertem Denken.

Text: Mirjam Rombach
16.05.2023 08:30

Als ich an der Académie Libanaise des Beaux-Arts unterrichtete, fand ich es sinnlos, Studierenden beizubringen, wie man Stühle und Lampen zeichnet. Design ist doch eine viel breitere Disziplin! Darum habe ich gekündigt. 2012 kehrte ich zurück, um ein eigenständiges Designdepartement aufzubauen. Bis dahin hatte das Studium genauso funktioniert wie in Frankreich – niemand hatte sich die Mühe gemacht, ein eigenes Programm zu entwickeln. Doch warum sollten wir Design im Libanon so unterrichten wie in Frankreich? Wir haben kaum Industrie! In unseren Köpfen sind wir noch immer kolonialisiert: Alles, was von Frankreich und vom Westen kommt, ist gut.

Marc Baroud (45) hat in Beirut und Paris Interior- und Möbeldesign sowie Industriedesign studiert. 2012 gründete er die Designabteilung an der Académie Libanaise des Beaux-Arts (Alba), deren Leiter er bis 2017 war. Seither pendelt der multidisziplinäre Designer zwischen Paris und Beirut und setzt Projekte in Architektur, Szenografie, Innenarchitektur, Möbel, Services und Markenentwicklung um. 

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