Das Freiburger Modell

Aus dem Schulbuch erinnern wir uns an die Stadtvedute von Luzern. Doch Martin Martini hat auch eine von Freiburg gestochen. Sie ist nun in ein Stadtmodell verwandelt worden.

Text: Benedikt Loderer, Stadtwanderer
25.05.2022 09:42

Ich sammle Stadtmodelle seit ich als Schulbub das der Stadt Bern im historischen Museum gesehen habe, Stadtmodelle sammeln ist ein Museumssport, dort leben sie. Freiburg im Üechtland hat seit kurzem ein neues, also ging ich hin. Es ist, von Corona behindert, erst seit dem 12. Februar 2022 zu besichtigen. Im Massstab 1:1000 oder 1:500 sind die Stadtmodelle gewöhnlich gebaut, dieses hingegen 1:250. Das verursacht den Architekten hochnäsiges Nasenrümpfen (Schnurpfus elitaris). Bäbistube zischen sie, zu farbig und zu veristisch. Sie sind Anhänger der Abstraktion, wollen alles weiss und sicher ohne eine Staffage von Alltagsmenschen, Metzgerhunden oder Laufbrunnen. Isländisch Moos ist schon grenzwertig, immerhin, man kann es weiss spritzen. Nur, gemach, liebe Architekten, dieses Modell ist nicht für Euch gemacht, in das ihr euer Klötzli einsetzt und über die städtebauliche Wirkung eures Projekts rätselt. Nein, es wendet sich an ein breites Publikum. Die begleitenden Lichtspiele plus der Auftritt von virtuellen Zeitzeugen in Kleidern von 1606 sind für Schulklassen gedacht und für bildungsbürgerliche Eltern an Regensonntagen. Nur, Architekten bedenkt, als das Modell zum ersten Mal ausgestellt wurde, an der Foire de Fribourg, da besichtigten es 40 000 Leute.