Berns «first and only negro in town»
Vincent O. Carter war eine Sehenswürdigkeit im Bern der Fünfzigerjahre. 1973 schrieb er ein Buch über Bern und dessen Eingeborene. Nun ist die genau beobachtende Abrechnung auf Deutsch erschienen.
Ja, an ihn erinnere ich mich. In den Fünfzigerjahren war er für den Bub, der ich war, eine gruslige Sensation: Der «first and only Negro in town», wie er sich nannte! Er ging ganz normal durch die Stadt, ich sah ihn auf dem Schulweg und war elektrisiert: Ein schwarzer Mann! Er war der einzige in Bern. Es soll Eltern gegeben haben, die, wenn sie mit ihm und Freunden, nach Beizenschluss (so um 23 Uhr!), zum Schlummertrunk nach Hause kamen, ihre Kinder weckten, damit diese einen echten Schwarzen besichtigen konnten.
Originalausgabe: The Bern Book. A Record of a Voyage of the Mind. John Day Company, New York 1973.