Wumm!, das Kunsthaus
An seinem Neubau baut das Zürcher Kunsthaus nun schon seit drei Jahren. Beinahe noch mal so lang dauert es noch bis zur Eröffnung im Winter 2020. Ein Augenschein im Rohbau am Heimplatz.
An seinem Neubau baut das Zürcher Kunsthaus nun schon seit drei Jahren. Beinahe noch mal so lang dauert es noch bis zur Eröffnung im Winter 2020. Ein Augenschein im gerade fertiggestellten Rohbau am Heimplatz.
Das spannendste an einem Neubau ist ja, dass er uns einen Ort neu wahrnehmen lässt. Auch der Neubau des Kunsthauses Zürich, euphemistisch ‹Erweiterung› genannt, tut das. Der nun fertig gestellte Rohbau wird noch an allen Seiten um je einen halben Meter aus Kunst- und Naturstein, Dämmung, Luft und vielen Ankern dicker, doch schon jetzt fasst er vorn den Heimplatz, begleitet seitlich die Rämistrasse und antwortet hinten der Alten Kantonsschule. Wumm! Da bin ich!
Das konnten wir Zürcher seit 2015 verfolgen. Überraschender, weil nun plötzlich da, ist der Blick aus dem Rohbau hinaus. Drei Dutzend Journalisten und Fotografinnen mit gelber Weste und weissem Helm scharen sich um das Riesenfenster im zweiten Stock, vor dem die Verantwortlichen den Meilenstein gebührend würdigen. Hinter dem Fenster: das von hier aus fast winzige Kunsthaus von 1910 mit seinem feschen Glasdach. Und das mächtige Haus dort oben links? Das muss die Kantonsschule Hohe Promenade sein, die man auf Strassenniveau nie wirklich wahrnimmt, die von hier aus in den Himmel ragt.
Stadtrat André Odermatt und Hochbauamtsdirektorin Wiebke Rösler liefern die Meilensteinworte: «bedeutendes Projekt», «Teil der Kunstmeile», «ganz viel Recyclingbeton». Die 206 Mio. Franken habe man budgetgerecht eingehalten, 2020 würde man termingerecht fertig. Kunsthausdirektor Christoph Becker gibt den Ausspruch des abwesenden Architekten David Chipperfield zum Besten, dieser habe noch nie erlebt, dass bereits im Museumswettbewerb alles so genau festgelegt worden sei, wie es dann auch gebaut wurde. Im Raum nebenan geben die Kühlschläuche an der Wand und die Höhe des noch fehlenden Bodens einen ungefähren Eindruck, wie hoch der technische Aufwand in einem heutigen Museum ist. Der Altbau gegenüber, so Becker, habe erst 1920 elektrisches Licht erhalten. Vorher mussten die Glasdächer langen. Suffizienz beim Kunstgenuss? Heute undenkbar.
Die recyclingbetonierte Raumhülle, in der wir stehen, gibt wiederum einen ungefähren Eindruck der räumlichen Dimensionen – auch wenn die immense Halle (Becker: «Das grosszügigste Foyer Zürichs, von der Bahnhofshalle einmal abgesehen») durch das sie füllende Gerüst leider noch unsichtbar ist. Drüben: der Seerosensaal, noch ohne Monets, Boden und Wandverkleidung. Dort, wo wir stehen, werden also bald Bildungsbürger wissend nickend vor den phantastischen Bildern der Bührle-Sammlung stehen. Aber, natürlich, Becker weist noch einmal auf die Statuten des Hauses hin: Die Kunst soll für alle zugänglich sein.
Dafür wird mindestens eine Installation von Pipilotti Rist sorgen: Ein Mast auf dem Heimplatz wird «Tastende Lichter» an die umgebenden Gebäude werfen. Farbkreise und Filmchen werden uns den Ort in zweieinhalb Jahren noch einmal neu wahrnehmen lassen.
