Rochegebäude in Grenzach-Wylen.
Rochegebäude in Grenzach-Wylen.

Verkehrte Bürowelt

Christ und Gantenbein haben für Roche einen Grundriss entwickelt, dessen offene Mitte der Arbeitskultur nach der Pandemie gerecht werden soll. Doch die totale Flexibilität hat auch ihre Nachteile.

Text: Andres Herzog
Fotos: Mark Niedermann
24.01.2022 08:00

Die Corona-Propheten haben uns eine neue Normalität vorausgesagt, doch die ist erstaunlich rasch einer alten gewichen: Wir gehen wieder auswärts essen, schlendern durch die Fussgängerzone, besuchen das Museum – sofern wir dürfen. Dauerhaft gewandelt haben sich vor allem Arbeitsformen und Arbeitsorte: Studien zeigen, dass Angestellte die Hälfte der Zeit daheim verbringen möchten. Manche Firmen überlassen es ihren Mitarbeitenden ganz, zu entscheiden, wo sie arbeiten wollen. Der offene Grundriss vieler Büros wird damit noch offener: Die Menschen ziehen sich nicht hinter Stellwänden am Schreibtisch zurück, sie gehen ins Büro, um gemeinsam zu brainstormen, einander kennenzulernen, den Teamgeist zu spüren. Das geht auch im digitalen Zeitalter am besten im physischen Raum. Die Architektur ist also gefragt.

Umgekehrte Logik: Treppenhäuser und Toiletten liegen an der Fassade.

Vom Fabrikareal zum Bürocampus
Auf dem Areal in Grenzach-Wyhlen bei Basel gründete die Firma Roche vor über hundert Jahren den ersten Produktionsstandort. Heute werden hier keine Medikamente mehr hergestellt – das Areal hat sich vom Fabrikgelände zum Bürocampus mit 1450 Arbeitsplätzen gewandelt. Die Zäune und Mauern von einst sind verschwunden, künftig will Roche das Areal noch stärker öffnen. Bis Ende 2022 wird die Firma neue Grünflächen auf dem Campus einrichten. Bereits 2011 haben Christ und Gantenbein ein Büro- und ein Technikgebäude auf dem Gebiet erstellt und dafür die prägnanten Betonbänder früherer Roche-Bauten von Otto Rudolf Salvisberg und Roland Rohn übernommen.

Bürohaus Fritz, 2021
Emil-Barell-Strasse 1, Grenzach-Wyhlen (D)
Bauherrschaft: Roche Pharma, Grenzach-Wyhlen (D)
Architektur: Christ & Gantenbein, Basel
Innenausbau, Möbel: Inch Furniture, Basel
Generalplanung (Baumanagement): Itten+Brechbühl, Basel
Bauingenieure: Schnetzer Puskas, Basel
Haustechnikplanung: ZWP Ingenieur-AG, Stuttgart
Fassadenplanung: PPEngineering, Basel
Brandschutzplanung: hhp Berlin
Gastroplanung: IGW, Stuttgart
Sicherheitsplanung: Amstein+Walthert, Buchs
Audio-/Videoplanung: Intelliconcept, Rotkreuz
Baukosten: € 60 Mio.

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