Unheil in der Unterwelt

Der Umbau der Ladenpassage unter dem Hauptbahnhof Zürich zeigt: Den SBB ist offenbar noch nicht klar, wie meisterhaft damals Trix und Robert Haussmann den S-Bahnhof gestaltet hatten.

Text: Werner Huber
Fotos: Werner Huber
27.02.2012 14:27

Will man einen Altbau durch einen Neubau ersetzen, dann muss das Neue besser sein als das Alte. Im Untergrund des Zürcher Hauptbahnhofs machen die SBB zurzeit das Gegenteil. Nach zwanzig Jahren bauen sie die Hallen und Passagen der S-Bahn um und verunstalten damit das vielfältig gerühmte und mehrfach ausgezeichnete Werk von Trix und Robert Haussmann. Angefangen hat es harmlos. Für den Bau des Tiefbahnhofs der Durchmesserlinie (siehe HP 1-2 / 08 und 4 / 11) wurde die eine Hälfte der Passage Löwenstrasse gekappt und provisorisch hergerichtet. Für die Läden, die der Baustelle weichen mussten, entstand 2008 in der Halle Plaza ein mehrgeschossiges Provisorium. Der Einbau zerstörte einen der wichtigsten Räume im ganzen Hauptbahnhof: die Halle, die die Unterwelt mit der Oberwelt verbindet und für Orientierung im weitläufigen Komplex sorgt. Die Passage Löwenstrasse und die Halle Plaza erhielten eine neue Blechdecke, im Zwischengeschoss wurde die alte Decke ersatzlos ausgebaut. Als grössten Eingriff bauten die SBB 2010 / 11 den ehemaligen Marktplatz mit Migros und weiteren Läden komplett um. Trix und Robert Haussmann wurden für die Arbeiten nicht beigezogen, sondern lediglich informiert. «Ich kam mir ein wenig vor wie bei meiner persönlichen Hinrichtung», schmunzelt Robert Haussmann.