Maison de l’air

Das Forschungsgebäude GLC der ETH ist ein Kraftakt aus Beton, Stahl, Glas und Technik. Doch Boltshauser Architekten nutzen auch die Erde, Luft und Licht. Ein Lehrstück über kühle Sinnlichkeit und Klima-Aikidō.

Text: Palle Petersen
Fotos: Kuster Frey
29.11.2021 11:56

Hinter dem Haus klafft eine Schlucht. Sie ist etwa 16 Meter hoch, mehr als 100 Meter lang und betörend schön. In 15 Schwüngen antwortet die Mauer dem Takt der Fassade. Ihre geneigten, unten weiss verputzten Bogensegmente bündeln das Licht und bringen es zu den Arbeitsplätzen in der Tiefe. Der Naturstein, der die gewaltige Betonstruktur veredelt, knüpft an den Belag im Innenhof an. Durch die Löcher im Mauerwerk fliesst Luft in die statischen Hohlräume und sinkt langsam hinab. Im Winter erwärmt sich die Luft an der trägen Erdmasse des Hangs, im Sommer kühlt sie sich daran ab. Das spart immerhin fünf Prozent Betriebsenergie. Hier, sozusagen in der Baugrube, sind Struktur und Haustechnik, Luft und Licht eins.

Forschungsgebäude GLC, 2021
Gloriastrasse 35, Zürich
– Auftrag: Selektiver Wettbewerb, 2010
– Bauherrschaft: ETH Immobilien, Zürich
– Architektur, Generalplaner: Boltshauser Architekten, Zürich (Projektleitung: Armin Baumann)
– Landschaftsarchitektur: Mettler, Gossau/Berlin
– Bauingenieur, Bauphysik: Basler & Hofmann, Zürich
– Fassadenplaner: Feroplan Engineering, Zürich
– Haustechnik: Waldhauser & Hermann, Münchenstein
– Nachhaltigkeit: Durable, Zürich
– Kunst am Bau, Aussentreppe: Urs Beat Roth, Zürich
– Generalunternehmer: Steiner, Zürich
– Fassadenbau: Aepli Metallbau, Gossau und Ruch Metallbau, Altdorf
– Glasbausteine: Semadeni, Horgen
– Metallbau: Klaus Wetter, Auw und EHB, Oftringen
– Anlagekosten (BKP 1-9): ca. 190 Mio. Fr.
– Geschossfläche: 23'600 m2

Erste Monografie
Roger Boltshauser. 1996–2021. Hrsg.: Martin Tschanz. Triest-Verlag, Zürich 2021. 98 Franken bei Hochparterre Bücher.