Die Transformerin
Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Nina Keel brennt für Architektur und den öffentlichen Raum. Zur Vermittlung dieser Themen überschreitet sie gerne auch Grenzen.
Wir steigen die Betontreppe hinab, rechts das Einkaufszentrum, links der ovale Hochhauszylinder. Die Werke des Spätmodernisten Heinrich Graf glänzen in der Alu-Ästhetik der 1970er-Jahre. Nina Keel ist in ihrem Element. Zugewandt, als sehe sie die heutige Tristesse nicht, schildert die junge Frau die Baugeschichte des Quartierzentrums im Osten von St. Gallen. Überall entdeckt sie Flächen, auf die sich Bilder projizieren lassen, bewegte oder stille – an der Hauswand hier oder an der Decke des Durchgangs dort. Als Kuratorin macht sie mittels Kunst Orte sichtbar. In einem Porträt schrieb der ‹Beobachter› über sie: «An den Schmuckbauten der Jugendstilstadt geht sie vorbei, ohne den Blick zu heben.» Es sind die unscheinbaren, vergessenen, ja, auch die ungeliebten Orte, die sie in ihr Herz schliesst.
