Der 2017 erbaute, temporäre Julierturm, prägt die Landschaft auf der Julier-Passhöhe. Er wird schon bald nur noch in der Erinnerung leuchten.
Der 2017 erbaute, temporäre Julierturm, prägt die Landschaft auf der Julier-Passhöhe. Er wird schon bald nur noch in der Erinnerung leuchten.

Der schiefe Turm auf dem Julier

Die Tage des roten Theaterturms des Origen Festivals auf der Julier-Passhöhe sind gezählt. Ein Nachruf von Köbi Gantenbein.

Text: Köbi Gantenbein
Fotos: Benjamin Hofer / Origen
18.07.2023 12:26

In St. Moritz steht der erste Turm, den ich in meinem Leben als besonders erlebt habe. Ich kam in Samedan zur Welt und als ich Bub war, spazierten meine Eltern mit mir zum Turm der schon lange verschwundenen Mauritius-Kirche. Der «schiefe Turm» steht 5,5 Grad schief. Das zeichnet ihn aus, das Besondere wird besonders – ein Geheimnis: Stellte ich mit den Klötzchen Türme schief, so fielen sie um; warum er nicht? Mehr als mit seiner Höhe, kann er mit seinem physikalischen Wunder punkten, das freilich mit viel Ingenieursverstand ermöglicht wird. Bin ich in St.Moritz, besuche ich ihn, um nachzuschauen, ob er allenfalls schiefer geworden ist. Ich stelle mir auch vor, was wäre, wenn ein zeitgenössischer Ingenieur ihn grad stellte.

Köbi Gantenbein war Chefredaktor und Verleger von Hochparterre. Er ist der Präsident der Kulturkommission des Kantons Graubünden. Der Text erschien ursprünglich in einer Sonderbeilage der ‹Engadiner Post/Posta Ladina› zum Thema Architektur und Landschaft.

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