CAP-Talk #1 mit Ludovica Molo

Der ‹Climate Action Plan› (CAP) der Klimastreik-Bewegung fordert ein radikales Umdenken. Was können Architektinnen und Architekten beitragen, fragen Werk und Hochparterre Vertreterinnen der Baubranche.

Text: Daniel Kurz
07.05.2021 13:07

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Betroffen haben wir Anfang Jahr den ‹Climate Action Plan› (CAP) der Schweizer Klimastreik-Bewegung zur Kenntnis genommen. Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, fordert er ein radikales Umdenken und einen umfassenden Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft – denn nur harte Massnahmen können die Klimaerwärmung stoppen. Doch ist ein so einschneidendes Aktionsprogramm möglich? Werk, bauen + wohnen und Hochparterre wollen diese Diskussion angesichts ihrer Bedeutung gemeinsam führen. Die Serie CAP talks, die in beiden Zeitschriften online und gedruckt erscheint, fragt nach bei etablierten und jungen Vertreterinnen und Vertretern der Baubranche. Die Zeit drängt, und die bisher in der Schweiz beschlossenen Massnahmen genügen kaum, um die Klimaerwärmung zu drosseln. Was können Architektinnen und Architekten beitragen? In den CAP-Talks #1 und #2 antworten Ludovica Molo und Friederike Kluge.

Ludovica, du bist in vielen Rollen unterwegs, als BSA-Präsidentin, Hochschullehrerin, Architektin. In welcher Form berührt und beschäftigt dich das Problem der Klimaerwärmung?
Ludovica Molo*: In seiner ganzen Dringlichkeit ist mir dieses Thema offen gestanden erst vor zwei Jahren bewusst geworden: Damals demonstrierten auch unsere Kinder an den Fridays for Future, und die Klimaerwärmung wurde zu einem prominenten Gesprächsthema am Familientisch. Wie mir ging es vielen anderen: Es ist die Jugend, die im Sommer 2019 die Gesellschaft aufgerüttelt hat. Vorher wussten wir zwar über den Klimawandel Bescheid, aber das Thema war nur eines unter vielen.

Was hat dieses Erlebnis bei dir ausgelöst?
Mir wurde klar, dass dies eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft ist. Dass es nicht genügt, privat möglichst ökologisch zu leben, Abfall zu trennen und so weiter. Die Klimaerwärmung fordert mich, wie uns alle, als Bürgerin und als Architektin, ich muss Stellung beziehen. Ich leite im Tessin das Architekturinstitut i2a. Da haben wir letztes Jahr im Lockdown eine ganze Serie von Onlineveranstaltungen zu Architektur und Klima angeboten – und das Interesse war riesig, auch von italienischer Seite! Wir stellten Projekte auf allen Massstabsebenen vor: Kreislaufwirtschaft, Bauteil-Wiederverwendung, urbane Landwirtschaft im Tessin, Quartiere in Holland, die Energie produzieren, speichern und tauschen…

CAP-Talks
Die Gesprächsserie von Hochparterre und werk, bauen + wohnen zum Climate Action Plan (CAP) der Schweizer Klimastreik-Bewegung. Die weiteren Folgen finden Sie hier:
CAP-Talk #2 mit Friederike Kluge auf Hochparterre.ch
CAP-Talk #2 mit Friederike Kluge in werk, bauen + wohnen 5/2021
CAP-Talk #3 mit Adrian Altenburger auf Hochparterre.ch

Klima-Aktionsplan
Der Klima-Aktionsplan bietet auf knapp 350 Seiten differenzierte und umfassende Informationen zur CO2-Reduktion sowie eine in 12 Kapitel gegliederte Tabelle mit Massnahmen. Ein Jahr lang haben Wissenschaftler*innen, Expert*innen und Klimastreikende den umfangreichen Plan ausgearbeitet. Der gesamte Klima-Aktionsplan findet sich unter climatestrike.ch.

Drei Massnahmen aus dem Kapitel Gebäude und Raumentwicklung:
Massnahme 1.1 : Moratorium auf neue Infrastruktur bis 2030
Von 2021 bis 2030 können keine neuen konventionellen Gebäude und keine neue Verkehrsinfrastruktur gebaut werden. Planung- und Baugenehmigungen beschränken sich auf die Nachrüstung und Renovierung bestehender Infrastruktur und Gebäude. Ausnahmen können vorgesehen werden für: Infrastruktur, die netto positiv ist (reduziert mehr Treibhausgase, als sie bei der Produktion ausstösst), die erneuerbare Energie erzeugt (z.B. Windturbinen), zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors beiträgt (z.B. Fahrradwege), wichtige neue Technologien für den Wandel produziert (z.B. Batterien) oder dringend benötigte öffentliche Infrastruktur darstellt (z.B. Schulen).
Massnahme 3.3: Förderung von biologisch basierten Baumaterialien
Um die Produktion, die Lieferkette und die Verwendung von biologisch basierten Baumaterialien zu fördern, muss jedes neue Bauprojekt in der Schweiz bis 2022 mindestens 50% Holz oder andere organische Materialien wie Hanf oder Stroh enthalten. Dies wird zu einer Verkleinerung des Abbaus und der Produktion von Zement, Stahl, Kalkstein und Eisenerz führen. Zudem bietet diese Massnahme ein erhebliches Potenzial zur Speicherung negativer Emissionen.
Massnahme 3.7: Digitales Materialarchiv und Bauteilemarkt zur Unterstützung zirkulärer Materialkreisläufe
Um klimaneutrales und kohlenstoffspeicherndes Bauen zu fördern, werden Materialkreisläufe benötigt. Das heisst, Bauteile und Materialien sollen vollständig wiederverwertet werden können. Zu diesem Zweck werden ein Bauteile- und Materialaustausch sowie ein nationales Bauteilearchiv aufgebaut.

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