Von der 14-jährigen Druckerei Ziegler in Winterthur kamen nicht nur Fassadenbleche, sondern auch Dämmplatten.
Von der 14-jährigen Druckerei Ziegler in Winterthur kamen nicht nur Fassadenbleche, sondern auch Dämmplatten.

Bricolage für die Besserwelt

Aus alten Bauteilen neue Häuser bauen? Die Halle 118 in Winterthur zeigt: Das ist ökologisch sinnvoll. Ausserdem bieten sich architektonische Chancen.

Text: Palle Petersen
28.10.2019 13:51

Ende August feierte Hochparterre im Hof sein Sommerfest. Bei jordanischem Streetfood und Bier vom Zapfhahn führte ich ein Gespräch, das ich schon öfters geführt hatte. Es ging um die Ökokrise und die Verantwortung des Bauens. Der Hardcore-Architekt sprach: Ein Haus, in dem man sich wohlfühlt, das nicht modisch ist und sich vielfältig nutzen lässt, ist ein nachhaltiges Haus. Gute Architektur ist unser Beitrag zur Klimawende. Ein paar Tage davor hatte ich mit einer Stadtbaumeisterin und einem Architekten über klimafitte Quartiere diskutiert. Fazit: Bitte keine neuen Verbote. Planen und bauen ist schon komplex genug.

Aufstockung und Sanierung Kopfbau Halle 118, 2020 / 21
Lagerplatz 24, Winterthur ZH

Die fünf Hektar des Lagerplatzes in Winterthur sind das bunteste Viertel des Sulzer-Areals – geprägt von gewerblich und kreativwirtschaftlich genutzten Bauten, Restaurants und Bars, einem Konzertlokal und einem Kulturkino, einer Multisporthalle sowie der Architekturschule und den Prototypenlabors der ZHAW. Seit 2010 besitzt die Basler Stiftung Abendrot das Areal und entwickelt es mit den rund hundert Mieterinnen und Mietern. 2015 bauten RWPA Architekten die Halle 118, die Sulzer als Modellschreinerei diente, denkmalpflegerisch vorbildlich für Büro- und Schulnutzungen um. Das ‹Baubüro in situ› wird nun den Kopfbau sanieren und aufstocken – für Denkstuben und Werkräume. Die Organisation ist fadengerade: Ein aussenliegendes Treppenhaus, ein Lift und die Toiletten gruppieren sich um einen Gemeinschaftsraum mit Küche, der pro Geschoss drei Ateliers erschliesst. Allerdings tragen bloss die Stahlstützen an der Fassade und eine einzige in der Mitte. Die Holzständerwände lassen sich also jederzeit anpassen.

Bauherrschaft: Stiftung Abendrot, Basel
Architektur: Baubüro in situ, Zürich
Auftragsart: Direktauftrag, 2017
Bauleitung: Baubüro in situ und Valerie Waibel, Winterthur
Baustatik: Oberli Bauingenieure, Winterthur
Bauphysik: 3D Bauphysik Huth, Glashütten
Haustechnik: Russo Haustechnikplanung, Winterthur
Elektroplanung: EGO Elektrikergenossenschaft, Winterthur
Holz-/ Strohfassade: Josef Kolb, Romanshorn
Baukosten (BKP 2): Fr. 4,5 Mio. (KV)
Geschossfläche: Bestand 695 m2, Aufstockung 839 m2

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