Die Betonforscherin Karen Scrivener arbeitet an der EPFL an klimafreundlicherem Zement. Die Betonforscherin Karen Scrivener arbeitet an der EPFL an klimafreundlicherem Zement.
Die Betonforscherin Karen Scrivener arbeitet an der EPFL an klimafreundlicherem Zement. Die Betonforscherin Karen Scrivener arbeitet an der EPFL an klimafreundlicherem Zement.

«Beton ist unersetzlich»

Karen Scrivener forscht an der EPFL, wie wir weniger und klimafreundlicher betonieren können. Ein Gespräch über CO2-armen Zement, Wüstensand und 3-D-Drucker.

Text: Andres Herzog
Fotos: Loan Nguyen
30.09.2019 16:50

Bauen heisst betonieren. Jedes Jahr werden weltweit 4000 Millionen Tonnen Zement produziert. Die Welt ist betonsüchtig.
Karen Scrivener: Nach Wasser ist Beton das meistverwendete Material der Menschheit. Weltweit produzieren und verbrauchen wir mehr Beton als Nahrungsmittel. Das zeigt die immense Bedeutung von Beton.

Betonforscherin
Die Engländerin Karen Scrivener (61) ist Professorin an der EPFL und leitet dort seit 2001 das Laboratoire des matériaux de construction. Die Materialwissenschaftlerin forscht seit Jahrzehnten zum Thema Zement und Beton. 2004 gründete sie das Konsortium Nanocem, das Partner aus Forschung und Industrie vernetzt, um die Grundlagenforschung rund um Zement und Beton zu stärken. Seit 2013 arbeitet sie an ihrem Lehrstuhl an LC3-Zement, um den Beton klimaverträglicher zu machen.

Weniger dreckiger Zement
Es gibt verschiedene Ansätze, um den CO2-Ausstoss von Beton zu verringern. Einer davon ist LC3-Zement. Die Bezeichnung steht für Limestone Calcined Clay Cement. Die EPFL hat das Material zusammen mit Universitäten in Kuba und in Indien entwickelt. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützt das Projekt mit Bundesgeldern. Die Wissenschaftlerinnen haben den Klinkeranteil im Zement von 95 auf 50 Prozent reduziert und durch Ton und Kalkstein ersetzt, zwei Materialien, die weltweit in grossen Mengen verfügbar sind. Damit können sie die CO2-Emissionen um 30 bis 40 Prozent reduzieren, ohne die Belastbarkeit des Betons zu verändern. LC3-Zement soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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