Besichtigung abgesagt
Die Coronakrise lässt ein liebes Ritual der Architekten ausfallen: Die Besichtigung. Welche Alternativen bieten sich im Homeoffice? Ein Erfahrungsbericht aus der virtuellen Realität zur Aufmunterung.
Die Schuhe stecken in Überziehern, als wäre man im Operationssaal, in der Hand wackelt eine Bratwurst: So beginnt das Ritual, das Architektinnen und Architekten fast jeden Samstag abhalten, während andere am Shoppen sind. An der Besichtigung beschnuppern sie das Werk der Kollegen, inspizieren Fugen, nicken zustimmend oder fragen neugierig nach: Wie habt ihr das Brüstungsdetail gelöst? Es ist dieser kurze Moment der Andacht, bevor die Mieter Löcher in die Decke bohren und auf dem Balkon Wäscheständer aufstellen. Ein paar unbefleckte Tage zwischen Fertigstellung und Bezug, an denen die Architektur sein kann, wie sie eigentlich gemeint war. Es ist auch die Zeit, in der die meisten Architekturfotografen die Häuser festhalten: Vor dem Leben.