Das kleine Haus aus Bangladesch muss sich erst noch an seinen Standort in Weil am Rhein gewöhnen.
Das kleine Haus aus Bangladesch muss sich erst noch an seinen Standort in Weil am Rhein gewöhnen.

Bambus und Hoffnung

Auf dem Vitra Campus steht seit kurzem ein Khudi Bari. Das mobile Haus soll Menschen in hochwassergefährdeten Gebieten Bangladeschs das Leben erleichtern. Ein Ortsbesuch und ein Gespräch mit der Architektin.

Text: Laurence Ziegler
Fotos: Laurence Ziegler
19.06.2024 13:31

Nach nur zwei Wochen Bauzeit steht die Leichtbaustruktur der Architektin Marina Tabassum auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. «Khudi Bari», aus Bengali wörtlich übersetzt «kleines Haus», ist ein Beispiel einer sorgfältigen architektonischen Haltung und konkreten Antwort auf Probleme, die ausgelöst durch den Klimawandel verstärkt auftreten. Beispielsweise in Tabassums Herkunftsland Bangladesch, wo im Gangesdelta, gespeist von den Flüssen Ganges und Brahmaputra, immer grössere Wassermengen aus dem Himalaya und den angrenzenden Regionen zusammenfliessen. Infolgedessen verändern sich die Sedimentschichten im Flachland von Bangladesch kontinuierlich. In den steinfreien Flussauen entstehen regelmässig fruchtbare Inseln, sogenannte Chars, die von den gewaltigen Wassermassen weggeschwemmt werden können. Mit den Khudi Bari hat das Team von Marina Tabassum gemeinsam mit Hilfsorganisationen und Gemeindegruppen hochwassersichere Häuser für diese Chars entwickelt – und damit die Lebensbedingungen besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen verbessert. Im Gangesdelta wurden bereits über einhundert Khudi Bari aufgestellt. Weitere sollen folgen.

Khudi Bari
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 2
D-79576 Weil am Rhein
www.design-museum.de