Neun Kommentare zur Einhausung Schwamendingen
Ein Projekt für die Schwamendinger:innen oder eine Verdrängungsmaschine? Fachpersonen und Beteiligte ordnen ein.
Ein Dilemma der Raumplanung
Das Projekt zeigt ein klassisches Dilemma der Raumplanung: Wir wollen die Qualität des Lebensraums erhöhen; dies aber führt zu einer Verteuerung des Bodens und zu einer unerwünschten Verdrängung. Die Einhausung ist ein Extrembeispiel für eine solche raumplanerische Aufwertung. Gemildert wird die Verdrängung durch den Landbesitz der vielen Genossenschaften. Die Stadtverwaltung hat eine saubere sozialräumliche Analyse durchgeführt. Es ist jedoch nicht erstaunlich, dass dieser Bericht, abgesehen von der Sensibilisierung der Bautragenden, kaum Massnahmen vorschlägt. Denn es gibt nur wenige wirksame Lösungen, die nicht ins Grundeigentum eingreifen.
Im Idealfall hätte die Stadt diese Veränderungen antizipiert und bereits Anfang der 2000er-Jahre Grundstücke gekauft. Bis 1999 schrumpfte die Stadt jedoch. Der politische Fokus bestand damals darin, wohlhabendere Bevölkerungsteile anzulocken. Meiner Meinung nach haben Politik und Raumplanung die Thematik der sozialen Verdrängung in Zürich verschlafen. Erst jetzt, seit auch die Mittelklasse von Verdrängung betroffen ist, wird das Thema breit rezipiert. Dabei sind die Auswirkungen für vulnerable Bevölkerungsschichten am schlimmsten.
David Kaufmann, Leiter Netzwerk Stadt und Landschaft, ETH Zürich
Eröffnung Ueberlandpark und Einhausung Schwamendingen
Plötzlich ist es ruhig. Seit den 1980er-Jahren wälzten sich Tag für Tag Autos und Lastwagen mitten durch das Wohnquartier und füllten die Luft mit Dauerdröhnen und Abgasen. Dann, im Jahr 2019, stimmten Baumaschinen ins lärmende Finale ein. Jetzt fasst ein begrünter Riesenbetonkasten den Schall und lädt zu Spaziergängen und Sonnenbad: Der Ueberlandpark in Schwamendingen wird am 10. Mai mit einem Fest eingeweiht. Wir widmen uns dem Projekt in vier Beiträgen:
Die kritische Einordnung
Die Kommentare
Der Studienauftrag
Die Landschaftsarchitekturkritik