Integration und Eigensinn
in Bondo

Wie fügt man grossmassstäbliche Schutzbauten und einen Dorfkern von nationaler Bedeutung zusammen? Ein Spaziergang rund um das Riesenbecken und über neue Brücken im Bergell.

Text: Axel Simon
Fotos: Donat Caduff
08.09.2025 07:00 In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bergell

Die Sonne blendet beim Verlassen des Tunnels. Die Strasse wird zur Brücke und steigt an, als führe sie geradewegs in die Berge Italiens hinein. Links dümpelt ein kleines Rinnsal in einem riesigen Flussbett. Weiter hinten kreuzt eine Brücke, dahinter sind Wald und der dunkle Einschnitt eines Tobels zu sehen, das Nadelöhr des Bondasca-Tals. Über allem thront der Piz Cengalo wie eine Diva. Seinetwegen ist es hier nicht immer so friedlich wie jetzt. Am 23. August 2017 lösten sich dort oben drei Millionen Kubikmeter Fels, töteten acht Berggänger und wälzten sich wenig später als Murgang dicht am Dorfkern von Bondo vorbei. Weitere Murgänge zerstörten Häuser und Brücken, darunter die Verbindung zwischen den Dörfern Promontogno und Bondo sowie die Kantonsstrasse, die das Oberengadin mit Italien verbindet. Erst im Jahr davor hatte man den idyllischen Campingplatz am Fuss der Mehrzweckhalle weggebaggert und das Bett der Bondasca in ein Auffangbecken verwandelt, nur wenig kleiner als das, in das man nun schaut. Bis zu zwölf Meter hoch türmten sich darin Geröll und Schlamm.

Themenheft
2017 stürzte am Piz Cengalo Gestein ins Bondascatal und tötete acht Menschen. Murgänge zerstörten Teile von Bondo. Nach der Solidarität galt es, Schutz und Dorfcharakter zu vereinen. Das Team ‹strata› gewann mit einem Gesamtkonzept aus Dämmen, Brücken und Gärten aus Stein, das Schutz und Mehrwert verbindet. Unser Themenheft erklärt das Projekt und lässt verschiedene Beteiligte zu Wort kommen.

Einweihung
Am 12. September 2025 werden die neuen Schutzbauten und Brücken sowie das Hochparterre Themenheft dazu eingeweiht. Von 14 bis 16 Uhr gibt es Führungen, um 16.30 Uhr offizielle Reden, danach Apéro, Musik und Nachtessen.

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