Immersion in ein Versprechen
Eine von Arthur Rüegg kuratierte Ausstellung in Genf lädt mit 1:1-Rekonstruktionen beispielhafter Bauten zu einer reichhaltigen Reise durch die Schweizer Wohnkultur der Dreissiger Jahre.
Im Genfer Musée d'Art et d'Histoire findet noch bis zum 26. Oktober eine Ausstellung mit dem kryptischen Titel «Et pourtant tout avait si bien commencé» statt. Was hatte denn einst so gut angefangen? Gemeint ist nichts anderes als die Moderne, an deren Versprechen von einer besseren Welt nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs niemand mehr so richtig glauben wollte. Die Ausstellung, kuratiert vom emeritierten Architekturprofessor und Le-Corbusier-Spezialisten Arthur Rüegg, ermöglicht eine Reise zurück in die hoffnungsvolle Zeit der Zwischenkriegsjahre und in die Wohnwelten, die damals zwischen Zürich und Genf entstanden waren. Es treten auf: die Villa Ruf von Francis Quétant, das Haus Villiger von Max Bill , das Immeuble Clarté von Le Corbusier und Pierre Jeanneret und schliesslich, als Kommentar zum Bruch des Kriegs, ein zerlegbares Haus für Geflüchtete, konzipiert 1944 von Jean Prouvé. Dazwischen gestreut ist in einem eigenen kleinen Ausstellungssaal ein Fokus auf den Historiker und CIAM-Generalsekretär Sigfried Giedion, der nicht zuletzt auch ein unverzichtbarer Botenträger zwischen den modernen Bewegungen im frankophonen und im deutschsprachigen Raum war. Seiner (selbst-)kritischen Reevalutation der Moderne in den Nachkriegsjahren ist denn auch der Ausstellungstitel entliehen.
Et pourtant tout avait si bien commencé. Habiter la Suise des années 1930
Ausstellung im Musée d'art et d'histoire, Genf
Noch bis zum 26. Oktober 2025.
www.mahmah.ch/expositions/et-pourtant-tout-avait-si-bien-commence
