Die Industriedesignerin Victoria Juretko hat am Beispiel des Spekulums erforscht, wie Scham und alte Machtstrukturen Innovation behindern. Foto: Guillaume Musset
Die Industriedesignerin Victoria Juretko hat am Beispiel des Spekulums erforscht, wie Scham und alte Machtstrukturen Innovation behindern. Foto: Guillaume Musset

Die Macht brechen

Machtstrukturen und Scham bewirkten, dass das Spekulum unverändert blieb. Victoria Juretko hat das gynäkologische Instrument neu designt und erhält dafür den Hasen in Gold.

Text: Mirjam Rombach
04.12.2024 14:00

Scham ist in Designkreisen selten ein Thema. Dabei kann sie der Grund dafür sein, dass Produkte nicht neu gedacht werden. Zum Beispiel das Spekulum, das meistgenutzte gynäkologische Untersuchungsinstrument. In den letzten 75 Jahren haben Menschen die Atomuhr erfunden, das Internet, selbstfahrende Autos, Satellitensysteme, Mikrochips und künstliche Intelligenz. Auch die Medizin erlebte Durchbrüche: Gen-Scheren reparieren schadhaftes Erbgut, Organe wachsen im Labor, Gedanken steuern Exoskelette. Warum das Spekulum seit rund 150 Jahren praktisch unverändert ist – ist unfassbar. Nun könnte man denken, das Instrument sei bereits perfekt – wo nichts mehr verbessert werden kann, ist Forschung schlicht nicht nötig. Doch wer schon einmal eine gynäkologische Untersuchung über sich ergehen lassen musste, weiss, dass dies unmöglich stimmen kann. Victoria Juretko hat in ihrer Masterarbeit an der HGK Basel die Gründe für die ausbleibende Entwicklung analysiert und das Spekulum neu gedacht. Ein Gespräch über alte Strukturen, neue Ideen und das Ende der Scham.

Victoria Juretko
Die Designerin (27) lebt und arbeitet in Basel. Sie absolvierte 2024 den Master in Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Ihre Theoriearbeit über das Spekulum präsentierte Juretko an der Cumulus-Design-Research-Konferenz in Budapest. Das ‹First Ventures›-Programm der Gebert Rüf Stiftung unterstützt sie dabei, ihre Masterarbeit in die Praxis umzusetzen.

‹Peva Spekulum›, 2024
Masterarbeit, HGK Basel, 2024
Recherche, Design und Konzept: Victoria Juretko, Basel
 

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