Werkzeug statt Werk
Der Industriedesigner Yves Ebnöther interpretiert mit digitaler Technologie das Do-it-yourself-Prinzip neu.
Krumme Linien und abgebrochene Sägeblätter – viele von uns erinnern sich an frustrierende Laubsäge-Momente in der Schulzeit. Die schiefen Endprodukte entmutigten oft mehr, als dass sie inspirierten. Yves Ebnöther, Industriedesigner und Dozent an der ZHAW, ändert mit seinem Projekt ‹Stool around the World› diese Erfahrung und rückt das Do-it-yourself-Prinzip in ein neues Licht. Die Geschichte beginnt 2010 in Äthiopien. Yves Ebnöther arbeitete am Future Cities Laboratory in Singapur und leitete in Addis Abeba einen Workshop zu lokalen Produktionsmethoden und Materialien. Es ging darum, einen Laser für ein Prototyping-Lab in Betrieb zu nehmen. Aus diesem Auftrag entwickelte sich ein Projekt, das bis heute andauert. Yves Ebnöther verfolgt eine einfache, aber wirkungsvolle Idee: Anstatt das Lasergerät nur einzurichten, entwickelte er gleichzeitig ein adaptierbares Design, das sich leicht an die lokalen Bedingungen, Materialien und Bedürfnisse anpasst: Der erste ‹Stool around the World› war ein Demonstrationsobjekt, ein Hocker aus einem einzigen Brett.
Yves Ebnöther
Sein Weg als Industriedesigner führte Yves Ebnöther vom Central St. Martins College of Art in London über die ETH Zürich, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete, bis zur Professur an der Technischen Hochschule Nürnberg. Heute lehrt und forscht er als Dozent für Digitale Technologien und Entwurf an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und arbeitet als selbständiger Designer mit Atelier in Zürich. «Ich sehe mich nicht als Stilist», betont Ebnöther. Für ihn steht das Prinzip über dem einzelnen Möbelstück.