«Sprache konstruiert auch etwas»
Wie schreiben wir eigentlich über Architektur? Erstmals versucht ein Forschungsprojekt, die Sprache der Schweizer Architekturzeitschriften systematisch zu entschlüsseln.
Wenn die Linguistin Julia Krasselt und der Architekturtheoretiker Andri Gerber über ihr gemeinsames Forschungsprojekt an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sprechen, kann einem schon mal der Kopf schwirren. Schliesslich untersuchen sie eine Datenmenge, die das menschliche Vorstellungsvermögen sprengt: 46 Millionen Wörter umfasst der Sprachberg, den die drei grossen Schweizer Architekturzeitschriften in den letzten Jahrzehnten mit ungebrochener Schreiblust angehäuft haben. Wie lässt sich eine solche Textmenge analysieren und was lässt sich dabei herausfinden?
Geschichte der «Öko-Architektur»
Das vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Forschungsprojekt «Geschichte der ‹Öko-Architektur› in der Schweiz – 196X–199X», das im August 2025 startet, nähert sich seinem Gegenstand aus drei Perspektiven: einer architekturhistorischen, einer korpuslinguistischen und einer gendertheoretischen. Die verbindende Forschungsfrage ist: Was können wir aus den zahlreichen Experimenten lernen, die seit den 1960er-Jahren in der ganzen Schweiz im Zeichen einer «ökologischen Architektur» unternommen wurden, und warum sind sie gescheitert? Die korpuslinguistische Perspektive ist eine Zusammenarbeit von Julia Krasselt vom Institute of Language Competence und Andri Gerber vom Institut Konstruktives Entwerfen der ZHAW Winterthur. Gemeinsam gehen sie dem Diskurs der ökologischen Architektur auf den Grund.