Silke Langenbergs kleine Ordnung: Postmoderne Bauten
Die Postmoderne ist wieder da. ETH-Professorin Silke Langenberg möchte die Bauten dieser Epoche schützen. Auch wenn sie ihr nicht immer gefallen. Ihr Ranking in unser neuen Rubrik ‹Meine kleine Ordnung›.
A. Bezaubernd
Bruno Reichlin und Fabio Reinhart werden sich sicher dagegen verwehren, «Postmodernisten» genannt zu werden. Dabei zeigt ihr Bau alle nötigen Attribute. Ich finde ihn bezaubernd: ein Motel an der Autobahn, mit Türmchen und Fassade eines Renaissancepalastes, die Rückseite erstaunlich schlicht. Eine weitere Burg für Bellinzona, die früher sogar ‹Castello› hiess. Welche Sorgfalt für einen Infrastrukturbau!
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B. Masterpiece
Nicht zufällig ziert das Gymnasium von Vincent Mangeat das Cover des Heimatschutzbüchleins ‹Die schönsten Bauten 1975–2000›. Symmetrische Primärgeometrie trotz schwierigem Grundstück. Im Innern finden sich auch Hightech-Elemente. Bezeichnend für diese Zeit ist die Lage jenseits der grossen Ballungszentren. Dort wuchs die Schweiz seinerzeit und brauchte neue Schul- und Verwaltungsbauten.
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C. Verborgen
Postmoderne Architekt*innen haben ja gerne ihre Sockel mit Streifen versehen – und was ist die unterirdische Passage des Zürcher Hauptbahnhofs anderes als dessen Sockel. Oberirdisch, im Altbau, hat die ‹Da Capo Bar›, ebenfalls von Trix und Robert Haussmann, den Bahnhofsumbau überlebt. Die Wände sind zwar nicht gestreift, aber mit Marmor-Trompe-l’œil bemalt.
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D. Archetyp
Eigentlich mag ich die Postmoderne nicht besonders, auch wenn ich viele Bauten für schützenswert halte! Bottas Basler Bank ist sicher ein Archetyp. Sie wurde oft zitiert. Und auch der Architekt zitiert – historische Vorbilder und sich selbst: klare geometrische Formen in klassischer Ordnung. Und alles schön gestreift.
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E. Verloren
Schrecklich und grossartig zugleich! Das Restaurant entstand in den Tiefen der 80er-Jahre als Anbau des Hotels Europa. Hier spielte der ganze postmoderne Zirkus: Säulen, Fake-Unterzüge, Pop-Art-Boden. Die Bar sah aus wie die Espressokanne von Aldo Rossi. Und wie unbequem diese Stühle gewesen sein müssen! Leider wurde das Restaurant saniert. Im Durchgang zum Hotel erinnert nun eine Vitrine an diese unvergleichliche Ausstattung.
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F. Lifestyle
Einkaufszentren sind wichtige Infrastrukturen dieser Zeit. Das Metalli in Zug ist ein schönes innerstädtisches Beispiel. Leider ist es aktuell bedroht. Es gibt zum Zeitgeist passende Wohnungen über der Passage: Yuppieleben in der Stadt, mit Alessi-Obstkorb und Starck-Sessel.
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Silke Langenberg
Die Architektin (51) und Denkmaltheoretikerin ist Professorin für Konstruktionserbe und Denkmalpflege an der ETH Zürich sowie Mitherausgeberin der Publikation ‹Denkmal Postmoderne›.
Lesen Sie dazu auch die Publikation ‹Die schönsten Bauten 1975–2000› des Schweizer Heimatschutzes.
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