‹Nose to tail› im Sarnertal
Holzbauer Küng glaubt an naturnahes Bauen. Seiler Linhart Architekten bringen seine Systeme in raffinierte Form. Kann das ein Vorbild für den grossen Markt sein?
«Wir müssen zurück zu den Wurzeln, zur Einfachheit, zur Natur.» Stephan Küng ist Holzbauer in zweiter Generation und hat eine klare Haltung: «Ameisen bauen aus einem einzigen Material einen Bau, der das ganze Jahr warm ist. Sind sie fort, bleibt schon bald keine Spur mehr übrig. Das muss auch unser Ziel sein.»
Vollholzbau in der Schweiz
Um 1990 entwickelte der Österreicher Förster Erwin Thoma das System ‹Holz 100›. Wie beim Brettsperrholz handelt es sich um kreuzweise Bretterlagen, jedoch sind diese nicht verleimt, sondern mit Buchendübeln verbunden. Weil Thoma keine Lizenz vergeben wollte, entwickelten der Appenzeller Holzbauer Nägeli und der Toggenburger Anlagenbauer Technowoods sein System weiter. Sie verwenden sägerohe Bretter und pressen die Dübel komprimiert und befeuchtet ein. Sämtliche Patente liegen bei der Firma Twoods, die mit den Lizenzeinnahmen forscht und wirbt. In der Schweiz nutzen derzeit nebst Nägeli (AR) auch Küng (OW) und Truber (BE) das System.
In den Achtzigern entwickelte der EPFL-Professor Julius Natterer die Brettstapelbauweise. Um die Seitenbretter der Balkenproduktion als Bauholz nutzbar zu machen, liess er sie nebeneinander stehend zusammennageln. Als Wände sind solche Brettstapel zwar sehr tragfähig, steifen aber schlecht aus, da sie keine kreuzweisen Schichten haben. Sie werden darum vor allem für Decken mit geringer Spannweite und geringer Konstruktionshöhe genutzt. Holzverdübelt produzieren sie in der Schweiz Kaufmann Oberholzer (SG), Sidler (AG) und Tschopp (LU). Ihre Aussenwände isolieren mit separaten Dämmschichten. Dank weniger Holz sind sie günstiger, schlanker und leichter, speichern aber auch weniger Wärme.
Bürohaus Küng, 2020
Chilcherlistrasse 4, Alpnach OW
– Bauherrschaft, Bauleitung, Holzbau und Innenausbau: Küng Holzbau, Alpnach
– Architektur: Seiler Linhart, Luzern und Sarnen (Projektleitung: Raphael Wiprächtiger)
– Auftrag: Direktauftrag, 2016
– Bauingenieure: ZEO, Alpnach
– Baumeister: B + B Bau, Sachseln
– Baukosten (BKP 2): keine Angaben
– Geschossfläche: 1 144 m²