Lage, Lage, Lager
Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich will am zentralen Standort im Zürcher Kreis 5 bleiben. Deshalb muss sein Lager schwerste Lasten stapeln. Über hohe Baukultur und anachronistische Bestellungen.
Im vergangenen Jahr verbeugten sich Eisbären, Pinguine und Robbenbabys vor den Zürcherinnen und Zürchern. Von Plakatwänden herab liess uns das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ausrichten: «Das Klima dankt». Das EWZ, eine Dienstabteilung der Stadt Zürich, trägt laut Pressemitteilung massgeblich dazu bei, dass Zürich als ‹Energiestadt Gold› zu den Top 5 der Schweiz gehört. Dieses grüne Image widerspiegelt auch das neue Zentrallager gegenüber dem Toni-Areal. Mit 50 Metern Länge, 30 Metern Breite und 20 Metern Höhe ist es Teil des Werkhofs Herdern. Das fast fensterlose Gebäude ist zwar ein Elefant, aber ein grüner: Die Fassaden bestehen aus unbehandelter Douglasie aus nahen Wäldern, auf dem Dach spriessen üppig Gräser, und vor der Ostseite beginnen Pflanzen, an drei schrägen Masten hochzuklettern. Liebes EWZ, das Klima dankt.
Chronik einer Standortbestimmung
- 2009 prüft das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) den Plan, sämtliche Arbeitsplätze in Zürich auf dem Areal des Werkhofs Herdern unterzubringen. Aus Kostengründen entscheidet sich das EWZ dagegen und bleibt bei seinen beiden Hauptstandorten. Man beschliesst, den früheren Hauptsitz in Oerlikon beizubehalten und den Standort Herdern zum zweiten Hauptstandort zu erweitern. Damit können in Zukunft an anderen Orten angemietete Arbeits- und Lagerräume aufgelöst werden.
- 2016 kürt die Jury eines Studienauftrags das Projekt des Architekturbüros Meili, Peter Partner, das in zwei Etappen realisiert werden soll. Die Ausführung verzögert sich aber wegen einer Einsprache; man plant die Etappierung um.
- 2019 genehmigen die Stimmberechtigten der Stadt Zürich den Kredit von 167 Millionen Franken. Zentrales Element des Entwurfs ist die Aufstockung des bestehenden Hauptgebäudes aus dem Jahr 1974. Es wird ab 2023 auf den Rohbau zurückgebaut und erdbebensicher gemacht. Zudem soll es bis 2026 um zwei Geschosse erhöht werden. Diese Aufstockung wird zur Pfingstweidstrasse hin über das Bestandsgebäude hinausragen und mit markanten Schrägstützen den Haupteingang markieren. Das davorstehende Unterwerk macht die Auskragung notwendig und verhindert einen direkten Zugang von der Strasse aus. Die erweiterte Tiefgarage des Hauptgebäudes kompensiert den Parkplatz, der für den Bau des Zentrallagers aufgelöst wurde.
- Die Planung teilt die Nutzungen sauber in einen Verwaltungsteil im Hauptgebäude und die Logistik im Zentrallager und trennt so auch den Lastwagen- vom Langsamverkehr. Ein Weg, der vom Pfingstweidpark unter der Auskragung des Hauptgebäudes hindurch zur gegenüberliegenden Seite der Duttweilerbrücke führt, soll das heute abgeschottete Areal durchlässiger machen. Ein öffentliches Restaurant, mit dem das EWZ sein Hauptgebäude vom Pfingstweidpark aus gerne zugänglicher machen würde, ist gemäss der heutigen Zonierung nicht möglich.
Zentrallager, EWZ-Werkhof Herdern, 2023
Pfingstweidstrasse 95c, Zürich
Bauherrschaft: Elektrizitätswerk der Stadt Zürich
Architektur: Meili, Peter Partner, Zürich
Mitarbeit: Roman Pfister, Sean Schättin, Piotr Margiel
Auftragsart: Wettbewerb, 2016
Generalplaner: Meili, Peter Partner, Hämmerle Partner, HSSP
Baumanagement/Bauleitung: HSSP, Zürich
Tragwerkplanung: Basler Hofmann, Zürich
Gebäudetechnik: Gruenberg + Partner, Zürich
Landschaftsarchitektur: Müller Illien, Zürich
Gesamtkosten (BKP 1–9): Fr. 41,3 Mio.
Baukosten (BKP 2/m3): Fr. 883.—
Nachhaltigkeitsstandard: in Anlehnung an Minergie Eco
