Der überzeugte Europäer
Im allerletzten Rückspiegel erzählt der international tätige Architekt Max Dudler (75), wie seine Arbeit geprägt ist von der Begeisterung für das Material Stein und für die Dichte der Grossstadt.
Wir Architekten schaffen differenzierte Räume, das macht unsere Arbeit aus. Es geht nicht bloss um Hüllen, sondern um Innenräume, die Menschen erleben können. In Berlin hat mein Büro eine U-Bahn-Station mit Sternenhimmel gebaut, und die in Leipzig ist eine Walhalla aus Glasbausteinen. So etwas gefällt mir. Als wir die erste unserer bisher 16 Bibliotheken bauten, hiess es, es brauche keine Bibliotheken mehr, alles sei im Computer. Wir brauchen in der Stadt aber Orte, an denen die Menschen einander treffen können, rumhängen, studieren, kommunizieren. Das ist wichtig für die Sozialisierung. Bibliotheken sind keine Museen, sondern Orte der Begegnung.
Aufgezeichnet von Axel Simon.
Seit Januar 2015 schliesst jeweils ein ‹Rückspiegel› das Hochparterre-Heft ab. Elf Jahre lang erzählten Persönlichkeiten aus ihrem prallen Leben voller Gestaltung und Planung – in diesem Heft zum 92. und letzten Mal. Mit der Rubrik ist nun Schluss. Wir haben sie geliebt. Kehrte jemand von uns mit leuchtenden Augen zurück in die Redaktion, war sie oder er oft «rückspiegeln» und erfüllt von den weisen Wahrnehmungen, starrköpfigen Urteilen und liebevollen Anekdoten eines erfahrungssatten Menschen. Für eine dürre Spalte Text hiess das viel Arbeit, denn es gab meist viel zu erzählen. Urs Walder schoss dazu die Porträts mit seiner analogen Hasselblad. Danke, Urs, für die tollen Bilder! Danke, Autorinnen und Autoren, für eure leidenschaftliche Arbeit! Danke allen, die sich rückspiegeln liessen!
Der Abschluss ist würdig: Ich habe Max Dudler in seinem Zürcher Architekturbüro besucht. Der Berlin-Schweizer erreicht knapp die Altersgruppe für unsere Rubrik (Ü75), dirigiert noch immer 150 Mitarbeitende in vier Büros und baut in ganz Europa. Aus dem Treffen ist nicht nur der letzte ‹Rückspiegel› entstanden, sondern auch ein hörenswerter Podcast. Ob auch die Nachfolgerubrik würdig sein wird, darf die Leserschaft selbst entscheiden. Im Januar enthüllen wir die Überraschung. Axel Simon
