Baukultur zum Wegwerfen

Zahlreiche Kehrichtverbrennungsanlagen sollen in den nächsten Jahren durch Neubauten ersetzt werden. Ist der Abriss der ikonischen Bauten gerechtfertigt?

Text: Elischa Bischof
Fotos: Till Forrer
17.03.2025 08:00

Am Rand von Städten und Dörfern ragen sie empor: Gebäude gewordene Maschinen, höher als Kirchtürme. Sie befreien uns von den Sünden des Konsums, verwandeln unsere Abfallberge in Rauch und Asche. Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) sind nicht nur ein notwendiges Übel, sondern gehören zu den wichtigsten Profanbauten unserer Zeit. Die Schweiz zählt mit mehr als 700 Kilogramm Abfall jährlich zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Abfallaufkommen. Die Kehrichtverbrennung sorgt dafür, dass diese enormen Mengen nicht Landschaft und Gewässer verschandeln. Zehn der insgesamt 29 Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz erreichen bald das Ende ihrer 40-jährigen Laufzeit. Doch anstatt lediglich die technischen Apparate zu erneuern und die bestehende Gebäudesubstanz zu bewahren, setzen die meisten Kehrichtgemeindeverbände auf Ersatzneubauten. Die Argumente dafür sind die üblichen: reduzierte Komplexität im Bau, effizientere Abläufe im Betrieb und eine höhere Flexibilität für zukünftige Entwicklungen, die insgesamt zu niedrigeren Kosten führen sollten.

Kehrichtverbrennungsanlage Weinfelden TG, erbaut 1997 von Antoniol + Huber

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