Situation

Kann denn Siedlung Sünde sein?

Das Architekturbüro suter + renner aus Küssnacht gewinnt einen selektiven Wettbewerb in Grosswangen, der nach den klassischen Qualitäten des Typus "Wohnsiedlung" verlangte.

Das Wort «Siedlung» ist in Ungnade gefallen. Es sitzt nämlich in einem Boot mit der «Agglomeration», Inbegriff des Unschönen und Ungeordneten, ja eigentlich Unarchitektonischen. «Wir bauen keine Siedlung, sondern Stadt!», heisst folglich die wiederkehrende Losung bei Genossenschaften und Immobilienentwicklern – wobei «Stadt» nicht selten (und natürlich nicht nur) ein Euphemismus für hohe Ausnutzung ist.

Nicht überall aber ist die Schweiz Stadt und nicht überall das Städtische gewünschtes Resultat. Beispielsweise in Grosswangen, einer dörflichen Gemeinde nahe Sursee, wo eine private Bauherrschaft zwei Parzellen besitzt, die sie mit gut hundert Wohnungen überbauen möchte: «Wohnsiedlung Am Heubächli» heisst das entsprechende Projekt, für welches ein selektiver Wettbewerb mit fünf lokalen Teams durchgeführt wurde. Das Programm legte dabei grossen Wert auf klassische Qualitäten des Typus «Siedlung»: natürliche, mehrseitige Belichtung und Aussicht der Wohungen, hochwertige Aussenräume mit vielfältiger Bepflanzung und «sparsamem Einsatz versiegelter Flächen», familienfreundliche und generationenübergreifende Gestaltung. 

Visualisierung

Als Sieger ging das Projekt des Architekturbüros Suter + Renner aus Sursee hervor, welches sechs annähernd quadratische Baukörper vorschlägt. Die Jury lobt die Setzung der Volumen auf dem Areal, deren Abstände zueinander sowie die freien Durch- und Ausblicke als «völlig entspannt und selbstverständlich», die Architektursprache würdigt sie als «robust und elegant». Innerhalb der von aussen gleichartigen Gebäude, so die Jury weiter, gelinge es, unterschiedliche Wohnungstypen und -grössen aufzuzeigen: gut organisiert, gut belichtet und mehrseitig orientiert. Die qualitätsvolle Umgebungsgestaltung schliesslich bestätige das «stimmige Gesamtpaket».

Auf den Visualisierung spriessen üppig Büsche und Bäume, man scheint hier trotz angemessener Dichte mitten im saftigen Grün zu wohnen. Kann denn Siedlung Sünde sein?
 

Kommentare

Andreas Konrad 08.11.2018 11:00
Der Verfasser tut gerade so , als würde man die Anglo vor lauter Stadt nicht mehr sehen . Die Wahrheit sieht anders aus : Das Projekt reiht sich in die Veragglomerisierung aus und versprüht den Charme der Hochkonjunktur . Belanglose Setzung , Arbeiterkisten für den gehobenen Mittelstand . Die trostlose Gestaltung und die Cremeschnittenfassade mit Abstandsgrün wird sich vor allem in den Wintertagen als graues Irgendwas darstellen . Baue ein Haus und denke an die Stadt . Wieder einmal wurde die Chance vertan , das Mittelland -Chaos zu reparieren . Stattdessen wird weitergewürfelt , mutlos und trist . Selbst ein Projektwettbewerb scheint das Elend nicht zu stoppen . Der alemannische Dörfligeist hat gesiegt . Wieder einmal .
h 11.11.2018 20:08
wow..............grosswangen..................sorry......die gewählte Jury hat keine Ahnung von Grosswangen...............und genau so sieht jetzt das abstandsgrün aus.... hansfischerliu
h 11.11.2018 20:12
.....trotz Bruno Hans und Armando...........sorry......wegen ...............hansfischerliu
a 13.11.2018 23:09
Das Wettbewerbsverfahren alleine garantiert leider noch kein gutes Resultat - wenn die eingeladenen Büros (Leuenberger Architekten???) nicht über genügend Qualität verfügen - und die Jury zwar aus sehr wohl verdienten Veteranen (aber eben durchwegs Veteranen) besteht, kann schnell ein sehr unbefriedigendes Resultat wie vorliegend entstehen. Schade um die vielleicht gut gemeinten Bemühungen - schade vorallem um das Grundstück, das nun mit gut 100 (!!!) Einheitsagglowohnungen für lange Zeit unwiderruflich zugepflästert wird (und ob das indifferenzierte Abstandsgrün über der flächendeckenden Tiefgarage so üppig spriessen wird wie in den Bildern suggeriert, mag bezweifelt werden)...
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Ich kann das Bild nicht lesen