Wagemut im Toblerone-Lager

Trotz schwierigster Ausgangslage haben BHSF Architekten und einige Unerschrockene ein Industrielager auf dem Berner Holliger-Areal zum Genossenschaftshaus umgebaut.

Fotos: Jürgen Beck

Trotz schwierigster Ausgangslage haben BHSF Architekten und einige Unerschrockene ein Industrielager auf dem Berner Holliger-Areal zum Genossenschaftshaus umgebaut.

Angenommen, ein Immobilienentwickler stünde vor einem Lagerhaus aus den 1960er-Jahren: Es ist nicht gegen Erdbeben ausgesteift und für eine Wohnumnutzung viel zu breit. Die Geschosse sind luftig, aber doch nicht hoch genug für Zwischendecken. Im Stützenraster wären zwei Zimmer zu breit und drei Zimmer zu schmal. Zu allem Übel liegt der sperrige Koloss am Hang, und in seiner Mitte steht ein stockdunkles Silo. Der Immobilienentwickler würde abwinken. Ersatzneubau oder gar nicht. Doch auf dem Berner Holliger-Areal kommt die frisch gegründete Genossenschaft Warmbächli daher. Sie setzt drei Holzgeschosse auf die ehemalige Toblerone-Lagerhalle und füllt sie mit Gewerbe- und Gemeinschaftsräumen und Wohnungen. Zur Seite stehen ihr die Nachwuchsarchitekten, die neun Jahre zuvor den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen und die Umnutzung vorgeschlagen haben. Ist das noch Wagemut oder schon Wahnsinn? Die finstere Unterwelt nutzbar gemacht Tim Seidel von BHSF Architekten erinnert sich noch gut an seinen ersten Besuch auf dem Areal (siehe ‹Das Holliger-Areal›, unten): «Die eleganten 50er-Jahre-Bauten der Müllverbrennung gab es noch. Die Fabrik von Chocolat Tobler auch. Und dann war da das Lager an der Güterstrasse: halb im Hang vergraben, die Stützen bis zu einem Meter dick. Über dem Lift stand ‹Nutzlast unbeschränkt›, und im zweiten Untergeschoss floss der Stadtbach Warmbächli in einer Röhre mitten durchs Haus. Ich kapierte es zwar nicht, aber ich war begeistert.» Noch heute ist die Kraft des Rohbaus spürbar und das Haus nicht einfach zu verstehen. Unsere Tour beginnt in der finsteren Unterwelt. Das dritte Untergeschoss beherbergt Lager, Mieterkeller und Technikräume. Hier stehen die meterdicken Stützen, durch kräftige Betonkränze im Boden verankert. Zusammen mit den zwei Treppenhäusern mit Flügelmauern sorgt das für Erdbebensicherheit. Im Geschoss darüber li...

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