Auf 24 Seiten schalmeien die Engel der Disruption.

Vater unser im BIM-mel

Die Bau- und Immobilienwirtschaft huldigt dem Zukunftsgott Digitalos. Hier das Gebet der Gläubigen.

Die NZZ-Verlagsbeilage ‹Zukunft Bauen› huldigt dem Zukunftsgott Digitalos. Hier das Gebet der Gläubigen.

Vater unser im BIM-mel,
gesammelt werden deine Daten.
Deine Transformation komme.
Deine Disruption geschehe,
wie in der Cloud so in der Prozesskette.
Unsere tägliche Agilität gib uns morgen.
Und gib uns smarte Tools,
um unsere Effizienz zu steigern.
Und führe uns in die Industrie 4.0,
erlöse uns mit Standardisierung.
Denn dein ist die Vision und Ambition
zur Innovation in Zukunft.
Amen.

Kommentare

Harley Quinn 10.11.2018 09:27
Die digitale Zukunft der Bauwirtschaft: Ausnahmslos Männer um die 50 in grauen Anzügen, die Deep Learning technisch kaum erklären könnten und bloss immer dieselben fünf Phrasen nachplappern?
Astrid Staufer 17.11.2018 16:42
Nicht abgedruckter Leserbrief: Als praktizierende, forschende und lehrende Architektin bin ich im doppelten Sinne „betroffen“ von der Vision der NZZ betreffend der Zukunft des Bauens. Erstens als Architekt: Alles, was hier gezeigt wird, ist triste Vergangenheit, angereichert mit einer schon fast sektiererischen Technologiegläubigkeit. Die Digitalisierung (BIM etc.) wird die Zukunft schon für uns richten - einen kulturellen oder gar gesellschaftlichen Diskurs braucht es dafür offenbar nicht. Und zweitens als Architektin: Auf den 24 Seiten der Verlagsbeilage werden rund 30 Köpfe des sog. künftigen Bauens portraitiert (Developer, Firmengründer, CEOs, Präsidenten, Direktoren, Geschäftsführer, Studiengangleiter, Forschungskoordinatoren, Facility Manager und sog. Architekten). Unter ihnen findet sich nicht eine einzige weibliche Protagonistin. Solche kommen - in Miniröcken und Hotpants Kinderwagen schiebend - nur als attraktivitätssteigerndes Füllmaterial in den Hochglanzrederings vor, die die „Visionen“ veranschaulichen. Wie ist es möglich, dass die NZZ auf eine Zukunft des Bauens setzt, die ganz ohne Architektur und ganz ohne Frauen auskommt? Astrid Staufer, Architektin ETH, Prof. TU Wien, Zürich / Frauenfeld
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