Bauarbeiter fordern die Verlängerung des Landesmantelvertrages Fotos: Unia

Baumaschinen stehen still

Weil es mit den Verhandlungen zur Verlängerung des Landesmantelvertrages in der Baubranche nicht vorwärts geht haben Unia und Syna am Dienstag auf mehreren Baustellen Protestaktionen organisiert.

Der Baumeisterverband hat für die Erneuerung des Landesmantelvertrages bisher Bedingungen gesetzt, die die Gewerkschaften als unannehmbar bezeichnen. Zum einen geht es um die Sanierung jener Stiftung, aus der die frühzeitige Pensionierung der Bauarbeiter mit 60 Jahren finanziert wird. Hier zeichnet sich zwar eine Lösung ab, indem sich die Arbeitnehmer mit höheren Lohnabzügen an den Kosten beteiligen, im Gegenzug aber eine Lohnerhöhung von 150 Franken fordern. Weil die Suva ihre Prämien für die Betriebe ab nächstem Jahr senkt, gebe es für die Unternehmen diese Lösung abzulehnen, argumentieren die Gewerkschaften.

Uneins sind sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Moment aber noch in zwei weiteren Punkten. Zum einen geht es um die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Mit dem bestehenden Vertrag sind im Sommer neun Stunden Arbeitszeit normal, an hundert Tagen pro Jahr sind sogar zehn Stunden möglich. Der Baumeisterverband will nun eine Arbeitszeitflexibilität für bis zu 300 Stunden pro Jahr. Dies lehnen die Gewerkschaften mit Blick auf den schon heute bestehenden hohen Druck auf den Baustellen ab.

Streitpunkt ist auch die Forderung der Arbeitgeber nach der Beschäftigung von Praktikantinnen und Praktikanten, die bis zu vier Monate auf den Baustellen arbeiten sollen. Mit einer solchen Regelung öffne man dem Lohndumping Tür und Tor, protestieren vor allem die Gewerkschaften aus den Grenzregionen. Schon heute bestehe wegen der, legal in der Schweiz arbeitenden, ausländischen Firmen ein hoher Druck auf die Löhne. Wenn die Baumeister auch noch während vier Monaten Praktikanten zu Tiefstlöhnen beschäftigen dürften, seien die heimischen Löhne erst recht in Gefahr. Die guten Saläre aber brauche es angesichts der hohen Lebenskosten in der Schweiz.

Die Gewerkschaften rufen die Arbeitgeberseite auch dazu auf, von Dumpingofferten abzusehen. Heute würden Offerten abgeben, die nicht mehr kostendeckend sind. Komme dazu, dass Termine versprochen werden, die völlig unrealistisch seien. Mit solchen Praktiken werde nicht nur der Druck auf die Mitarbeitenden massiv erhöht, die Branchen schaufle sich damit auch selbst das Grab, weil die Betriebe nicht mehr gewinnbringend arbeiten können.

Mit den Aktionen auf den Baustellen in zahlreichen Schweizer Regionen und mit einer Kundgebung am Dienstagnachmittag in Zürich erhöhen die Gewerkschaften nun den Druck. Man habe die ursprünglichen, deutlich weiterreichenden Forderungen zurückgestellt um die Verlängerung des Landesmantelvertrags zu ermöglichen – jetzt sei es an den Arbeitgebern, auf überrissene Forderungen zu verzichten.

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