Momentan ein vertrauter Anblick. Digitale Kommunikation ist zur Zeit für viele der Weg, um sich auszutauschen.

Spekulativ entwerfen

Leo Witzig entwirft in seiner Bachelorarbeit am Hyperwerk in Basel eine utopische Kommunikationstechnologie. Sie soll helfen, die Probleme der Zukunft zu meistern.

In meiner Bachelorarbeit versuche ich herauszufinden, wie die Zukunft aussehen könnte. Mit verschiedenen Entwürfen mache ich mögliche Entwicklungen greifbarer. Ich orientiere mich dabei an der Methode des ‹Speculative Design›. Sie erlaubt mir frei und losgelöst von aktuellen Konventionen zu denken.

Im Moment entwerfe ich eine utopische Kommunikationstechnologie. Ich gestalte ein Endgerät, vergleichbar mit einem Smartphone. Dabei beschreibe ich, wie das Objekt funktioniert und entwickle so ein Szenario, wie in Zukunft mit digitaler Technologie umgegangen wird. Gleichzeitig versuche ich die Kernidee des Entwurfs in meinen heutigen Alltag einzuflechten und die so gesammelten Erfahrungen in meiner Bachelorarbeit zu reflektieren.

Ich kann mir keine Zukunft vorstellen, in der einfach alles gut ist. Eine Reihe von dystopischen Entwicklungen sind zu offensichtlich: Wir werden mit veränderten klimatischen Bedingungen umgehen müssen, in der grosse Gruppen von Menschen gezwungen, sich eine neue Heimat zu suchen. Wir werden unter durch Gifte verunreinigte Böden und Gewässer leiden. Technologien zur flächendeckenden Überwachung und autonome Waffensysteme können gegen uns eingesetzt werden. Krankheiten, für die wir noch keine Medizin kennen, werden sich aufgrund unserer hohen Mobilität unkontrolliert ausbreiten.

Am stärksten beunruhigt mich allerdings, dass Menschen in unserer Informationsgesellschaft wissentlich Unwahrheiten verbreiten, um ihre Macht zu sichern. Wenn wir uns als Gesellschaft aber nicht darauf verlassen können, dass die Menschen nach bestem Wissen und Gewissen handeln, fehlt uns die Grundlage, um die eingangs erwähnten Herausforderungen zu meistern.

Trotz dieser pessimistischen Einschätzung bin ich überzeugt, dass wir Wege finden können, mit diesen Entwicklungen umzugehen. Zum Beispiel bietet das von mir entworfene Kommunikationsgerät die Möglichkeit, alle verbauten Sensoren von der Energiequelle zu trennen. So können die Nutzer*innen bei jeder Anwendung selbst entschieden, welche Daten erhoben werden, um die entsprechende Funktion zu gewährleisten. Sowohl die Hardware als auch die Software basieren auf einem offenen Standard und können einfach repariert und weiterentwickelt werden. Sicherheitslücken werden dank offenem Quellcode schnell gefunden und geschlossen. Eine solche digitale Umgebung, die unter dem Stichwort ‹Security by Design› funktioniert, schützt die Gesellschaft vor manipulativen Datenkraken.

Ich habe noch keine Idee, wie ich mit einem Entwurf zeigen kann, wie sich in unserer Gesellschaft eine informierte und wohlwollende Diskussionskultur entwickeln kann.

Deshalb lege ich meine Entwurfspraxis darauf aus, die Erfahrungen möglichst vieler Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen miteinzubeziehen. Meine Entwürfe sollen nicht bestimmte Handlungen erzwingen, sondern Räume öffnen, in denen ein reger Austausch, Experimente und Diskussionen stattfinden können.

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