Die Bilder inszenieren die Grossmutter von Sissy in selbstbewussten Momenten.

«Moi, je m’aime. Amen!»

Die Studentinnen Luisa Zieglmeier und Sissy Kuhlmann von der Fachrichtung Trends & Identity der ZHdK haben erforscht, wie zukünftige Vorstellungen vom Alter aussehen könnten.

Worum geht es in eurem Projekt und was war eure Aufgabenstellung?
Luisa Zieglmeier/Sissy Kuhlmann: Unsere Aufgabe bestand darin, innerhalb des Themenfeldes ‹New Images of Ageing› eine Fotostrecke mit inszenierten Bildern zu entwickeln. Wir konnten einen eigenen Fokus definieren und wählten Erotik, Selbstliebe und Körperwahrnehmung im Alter, wozu aktuell kein öffentlicher Austausch stattfindet.

Was ist der Kern eurer Idee?
Alt zu werden ist oft mit Angst verbunden. Wir fürchten uns davor, unsere Mobilität, Freiheit oder unsere Schönheit zu verlieren. Ungeschriebene Regeln besagen, dass ältere Menschen nur noch bequeme Kleider tragen sollen und nicht mehr viel Haut zeigen dürfen. Unter diesen Umständen finden ein Décolleté oder nackte Beine keinen Platz mehr. Wir zeigen, dass dies nicht so sein muss. Unsere Fotos inszenieren die Grossmutter von Sissy in selbstbewussten Momenten, verbunden mit der Botschaft: «Moi, je m’aime. Amen!»
 

Die Fotostrecke widmet sich dem Thema Erotik, Selbstliebe und Körperwahrnehmung im Alter.

Was möchtet ihr mit eurer Arbeit erreichen?
Für die Umsetzung war es uns wichtig, ausdrucksstarke Bilder zu schiessen, die unsere Botschaft auch ohne Worte vermitteln. Die Porträts sollen Menschen jeder Generation dazu inspirieren, sich gegen gesellschaftliche Erwartungen und Normen im Alter aufzulehnen. Wir möchten die Body-Positivity-Bewegung ausweiten, indem wir einen vernachlässigten Aspekt thematisieren.

Welche Herausforderungen hattet ihr bei der Umsetzung?
Es war herausfordernd, für unsere Protagonistin eine passende Inszenierung zu finden. Die Lichtverhältnisse waren beim Fotoshooting unvorhersehbar, so dass wir vor Ort experimentieren und reagieren mussten. Zum Glück half uns die Grossmutter durch ihre offene Art. Sie ergriff auch selbst die Initiative bei der Kleiderwahl und scheute sich nicht davor, nackte Haut zu zeigen.
 

Mit ihrem Projekt wollen die beiden Studentinnen die Body-Positivity-Bewegung ausweiten.

Wie wollt ihr persönlich alt werden?
Wir möchten den Vorurteilen trotzen und mit voller Lebensfreude und Zufriedenheit unsere Jahre verbringen. Unsere Idealvorstellung wäre, dass es, sobald wir Seniorinnen sind, nicht mehr nötig sein wird, Themen wie Sexualität und Selbstliebe rechtfertigen zu müssen. Es wäre schön, zur Abwechslung auch ältere Frauen auf Werbeplakaten für Unterwäsche zu sehen, um die Diversität und Akzeptanz zu stärken.

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