Blick von der Abtei Saint-Maurice auf den Neubauteil der Maisons Duc. (Foto: Eik Frenzel)

Verzahnt

Zu den Hasen in Gold, Silber und Bronze kommen je Kategorie zwei Anerkennungen. In der Architektur ist dies zum einen Maison Duc von Gay Menzel Architectes, Monthey.

Schon die Römer hatten die strategisch günstige Lage des heutigen Saint-Maurice erkannt und an der engsten Stelle am Eingang zum Rhonetal einen Militär- und Zollposten eingerichtet. Heute folgt die Hauptstrasse des Städtchens, die Grand-Rue, dem Trassee des Römerwegs. Längst fliessen die Verkehrsströme auf anderen Achsen, und es ist dem Gemeindepräsidenten ein Anliegen, die pittoreske Strasse zu beleben. Auch die drei ineinander verschachtelten Maisons Duc stehen an der Grand-Rue. Lange Zeit waren sie weitgehend leer; eine Fassade neigte sich bedrohlich nach aussen. Die Gemeinde kaufte die Häuser und lud sechs Büros ein, ein Konzept für den Umbau zu machen. Gewünscht waren eine Kunstgalerie, Kunstateliers für behinderte Menschen und Wohnungen. Die Fassaden an der Grand-Rue waren geschützt, aber zum Glück für die Architekten deckten sich die Erkenntnisse der Kunsthistorikerin über die wertvollste Bausubstanz und jene des Statikers über die stabilste Bausubstanz weitgehend. Das liess es zu, den rückwärtigen Teil durch einen Neubau zu ersetzen.

Mit doppelgeschossigen Räumen erzeugen die Architekten vielfältige Bezüge. Das Glasbaustein-Oberlicht liegt im Wohnhof. (Foto: Séverine Rouiller)

Beim Entwurf liessen die Architekten Götz Menzel und Catherine Gay Menzel sich von ihrer eigenen Wohnung in der Maison de la Pierre aus dem 18. Jahrhundert, gleich vis-à-vis, inspirieren: Die Wohnungen sind um einen gemeinsamen Hof gruppiert, in dem auch die offene Erschliessung liegt. Und statt an einem Korridor aufgereiht, sind die Zimmer zu Raumfolgen kombiniert. Um die Zeit- und Raumschichten der verschachtelten Maisons Duc sichtbar zu machen, fügten die Architekten doppelgeschossige Räume und offene Höfe ein. Dadurch entstanden zwischen der Kunstgalerie im Erdgeschoss und den Ateliers im Obergeschoss optische und akustische Bezüge. Alte Türen wurden ausgebaut und sind nun, ohne Rahmen direkt auf den Beton aufgesetzt, Zimmer- oder Schranktüren.

Längsschnitt

Im Neubauteil liegt das offene Treppenhaus. Es führt im zweiten Stock in einen Hof, der die drei Wohnungen erschliesst. Der Neubau ist in Beton konstruiert. Fenstergewände erscheinen wie ein Abguss einer alten Fassade als Negativ, die Fensterläden liegen im Innenraum. Eine ähnliche Umkehrung zeigt die grosse Bogenöffnung auf der Rückseite: Weil die Denkmalpflege meinte, das sei gegenüber der Abtei zu historisierend, setzten die Architekten die rechteckigen Glastüren kurzerhand davor.

2. Obergeschoss

1. Obergeschoss

Erdgeschoss

Eine weitere Anerkennung ging an Guignard & Saner aus Zürich für den Neubau des Schulhaus Halden.

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