Regenvorhang und Karyatidenring

In Basel haben Piertzovanis Toews ein Hinterhofhaus fast manisch detailfreudig erweitert. Ihr Dachausbau gewinnt das Kaninchen, den Senn-Förderpreis für junge Architektur.

Fotos: Simone Bossi

In Basel haben Piertzovanis Toews ein Hinterhofhaus fast manisch detailfreudig erweitert. Ihr Dachausbau gewinnt das Kaninchen, den Senn-Förderpreis für junge Architektur.

Meistens sind Besichtigungen bei Regenwetter eine Zumutung. Die Finger sind klamm, das Wasser tropft aufs Papier, und die Notizen verfliessen, die Stimmung ist so bedeckt wie der Himmel. Als wir im späten Juli die Juryreise antreten – sechs Häuser auf dem straffen Programm –, sorgt der Regen aber für einen beinahe magischen Moment. Wir stehen im frisch ausgebauten Dachstock eines Basler Hinterhofhauses, über unseren Köpfen rinnt das Wasser, fällt vor dem breiten Schiebefenster in feinen Fäden hinab wie ein Vorhang. Die Tropfen prasseln auf das matt schimmernde Wellblech. Der stählerne Ring, eigentlich der Blickfang des Projekts, ist in diesem Moment nebensächlich. Doch an ihm lassen sich die Aufgabe und die Arbeit von Piertzovanis Toews gut erklären: Eigentlich hatten der Finanzmathematiker Walter Brägger und die Physiotherapeutin Christina Stahlberger, die im Haus gegenüber wohnen, ein Zürcher Architekturbüro mit dem Dachausbau beauftragt. Sie wollten einen Raum für alles, zum Arbeiten und Feiern, als Gäste- und als Sitzungszimmer. Nach der Baueingabe merkten das Paar und seine Architekten, dass das winzige Projekt von Zürich aus aufwendig auszuführen wäre. Zum Glück für Heinrich Toews, der mit seiner Familie im Haus des Paars wohnte und sich gerade mit Ioannis Piertzovanis selbständig gemacht hatte. Ob sie übernehmen wollten? ###Media_2### Der Ring: eine Karyatide im Jahr 2021 Sie wollten. Und stellten noch einmal alles infrage. Als Erstes klappten sie das Dach weiter auf und setzten die Brüstung des Bandfensters nach unten, damit man auch sitzend hinaussieht. Die drei Stützen, die vor dem Fenster gezeichnet waren, wollten sie loswerden, merkten aber rasch, dass über dem Fenster kein Platz für einen Träger war, der elf Meter überspannen könnte. «Mindestens eine Stütze musste sein», so Piertzovanis. «Darum beschlossen wir, die Stütze zu bearbeit...

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