Europaplatz im Westen der Stadt Bern: Nur Sitzsockel, Asphaltteppich, Freitreppe und Leuchtenkragen gestalten den Raum. Der Platz entwickelt Kraft durch seine Leere. Fotos: Fabian Unternährer

Leere statt Spektakel

Angemessenheit, minimale Mittel und viel Leere zeichnen die Gestaltung des Europaplatzes in Bern aus. Für die unprätentiöse Lösung bekommt er den bronzenen Hasen ‹Landschaft›.

Steigt man in der Dämmerung aus dem Untergrund der Berner S-Bahn-Linie 6 hinauf zum Europaplatz, fühlt man sich ein wenig wie der Deus ex Machina des griechischen Theaters. Ungepflegte Düsternis öffnet sich zu nahezu sakraler Weite. Festlich erleuchtete Säulen spannen die Tiefe eines Raumes von überraschender Dimension auf, sie verlieren sich erst jenseits der Strasse und kurz vor dem Gleisbereich in der Dunkelheit. Das Dach, das sie tragen, erweist sich als profan: Es ist die achtspurige Autobahn A12. Als der Europlatz seinen Namen erhielt, war er ein Unort. Zugleich wichtiger Verkehrsknotenpunkt und unzugängliche Bruchstelle im städtischen Gefüge zwischen Bern und Bümpliz. Eine Asphaltbrache mit wuchernden Veloständern, Gestrüpp, Baracken, überschattet von der Autobahn auf ihren massiven Betonpfeilern, durchkreuzt von Bahnlinien auf zwei Ebenen. Mit der Tramlinie Bern West, dem Haus der Religionen siehe Hochparterre 3 / 15 und dem neuen Hauptsitz der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes stiess die Stadt die Belebung des Entwicklungsschwerpunkts Ausserholligen an. Die Gestaltung des Europaplatzes gibt den Neubauten im städtischen Niemandsland ein Zentrum.Der Platz feiert und veredelt die Eigenart des Ortes unter der Brücke: seine Dimension, seine Raumwirkung und seine brachiale Kraft. Um den unübersichtlichen Durchgangsort zum transparenten Platz zu machen, trugen die Landschaftsarchitekten das gewachsene Terrain ab und schufen eine schräge Platzebene. Sie lässt neu von der Freiburgstrasse bis zur Fussgänger- und Velounterführung der Bahn blicken.Geburtshelfer des zweiten wesentlichen Gestaltungselements waren die strikten Regeln des Bundesamts für Verkehr. Weil die Brückenpfeiler nicht angetastet werden durften, umgibt nun eine moderne Variante der griechischen Krepis deren Fundamente auf dem abgesenkten Platz. Die gestuften Säulenfüsse in he...
Leere statt Spektakel

Angemessenheit, minimale Mittel und viel Leere zeichnen die Gestaltung des Europaplatzes in Bern aus. Für die unprätentiöse Lösung bekommt er den bronzenen Hasen ‹Landschaft›.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?