Grossformatige Betonplatten beschreiben in der Siedlung Entlisberg II in Zürich die Wege. Auf einem zentralen Band ist Platz fürs Spiel. Fotos: Schmid Landschaftsarchitekten

Eine Nische für alle Fälle

Zu den Hasen in Gold, Silber und Bronze kommen je Kategorie zwei Anerkennungen. In der Landschaftsarchitektur ist dies zum einen die Umgebungsgestaltung Entlisberg II von Schmid Landschaftsarchitekten.

Ein Bummel durch die Siedlung Entlisberg II gleicht einem Ausflug in die Wandelhalle zeitgenössischer Anforderungen an Aussenräume von Siedlungen: Heutzutage wollen die Bewohner vor der Haustüre pflanzen, grillieren, sitzen und beobachten, wollen «passiv dabei sein» entlang von Wegen. Die Kinder sollen aktiv mit Wasser und Ziehbrunnen oder an Seil-Kletter-Modulen spielen können. Ältere wollen in barrierefreiem Gelände spazieren, und man soll auch die Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen.

Dafür braucht es Rückzugsorte sowie multifunktionale, aneigenbare und lesbare Räume. Der als Ersatzneubau erstellten Siedlung mit dem für das Quartier typischen, lang gezogenen Hofraum gelingt das scheinbar Unmögliche: allen Anforderungen auf selbstverständliche Weise gerecht zu werden. Dafür wird zwischen den sechs hangparallel laufenden Siedlungskörpern ein Netz von Zellen aufgespannt, das den Höhenunterschied von drei Metern zwischen oberer und unterer Zeile überbrückt und barrierefrei erschliesst. Darin reihen sich die Nutzungen perlschnurartig und eng durchwebt auf. Achsensymmetrisch schliessen die halböffentlichen Bereiche vor den rückwärtigen Hauszugängen an den siedlungsöffentlichen Begegnungsort an.

Als Reminiszenz an die Anbindung urbaner Haustypologien an den öffentlichen Raum zitieren die Landschaftsarchitekten den klassischen Vorgarten des 19. und 20. Jahrhunderts. Analog zu seinem ursprünglichen Ausdruck ist er auch hier Repräsentationsfläche. Rasenstreifen sind zum Teil mit alten Obstsorten bepflanzt. Dazwischen liegen üppige Staudenrabatten; dort, wo die privaten Terrassen im Erdgeschoss auf den siedlungsöffentlichen Begegnungs- und Freiraum treffen. Das Flächenmuster macht das Gebäude im Aussenraum lesbar und projiziert es auf die grüne Achse, von der aus die asphaltierten Verbindungswege nach oben und unten ins umgebende Quartier greifen.

Am Wegrand karger Trockenrasen und ein Hinweisschild: In Kooperation mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil entstehen hier in den nächsten fünf Jahren ausgesprochen biodiverse Magerwiesen aus Grünschnitt von einem mehr als hundertjährigen Dach der Zürcher Wasserversorgung.

Ein engmaschiges Wegnetz durchwebt den langen Zwischenraum.

Gegen die Strassen kleine Hecken und Vorgärten, um die Häuser herum ein Staudensaum, in der Mitte eine mit Hecken bepflanzte Böschung.

Perlschnurartig sind die Zellen für Mitwirkung, Platz oder Spiel zwischen den Häusern aufgereiht.

Eine weitere Anerkennung ging an den ‹Werk Zwei›-Park von Krebs und Herde.

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