Dichte Packung: Das Wohnhaus der Genossenschaft Hofgarten besetzt das ganze Baufeld B3 Süd in der Greencity in Zürich. Fotos: Marion Nitsch

Die Hofmaschine

Die Genossenschaft Hofgarten nutzt in Zürich die Dichte als Katalysator für die Gemeinschaft. Dafür erhalten Adrian Streich Architekten den goldenen Hasen in der Kategorie Architektur.

Sevim Hoffmann-Yildiz steckt sich die Haare hoch und öffnet das Fenster zum Hof. Ein Moment zum Durchatmen. Im Februar sind ihre Zwillinge auf die Welt gekommen. «Die meisten Nachbarn haben kleine Kinder», sagt sie. «Der Hof baut Hemmschwellen ab. Man kommt sofort in Kontakt und tauscht sich aus über Babybrei und Windelpflege.» Die Familie Hoffmann wohnt in einer von 16 Wohnungen des Neubaus auf dem Sihlpapier-Areal in Zürich-Manegg, die auf einen Innenhof ausgerichtet und über einen Balkonring miteinander verbunden sind. Zehn auf acht Meter misst der Hof, ein intimer Massstab: Vom Esszimmer kann man den Nachbarn zuwinken, die gerade in der Küche stehen. Trotz der Nähe: Keine der Stoffstoren ist geschlossen, nur wenige Bewohner haben die Vorhänge gezogen, Hoffmann-Yildiz hat gar keine montiert. «Wir schätzen den Kontakt zu den Nachbarn», sagt sie.Der bewohnte Hof ist die Erfindung von Adrian Streich Architekten, die den Wettbewerb für das Gebäude gewonnen haben. Der Masterplan der Greencity, die Losinger Marazzi in der Manegg bis 2021 realisiert, sah ein L-förmiges Gebäude vor. Doch die Architekten bebauten die ganze Parzelle, die massige 25 auf 50 Meter misst. Die Ecke zwischen Gleisen, Spinnereiplatz und Maneggplatz ist das öffentlichste Grundstück im neuen Quartier. Der Innenhof bringt Licht in den tiefen Block und schafft eine intime Oase. Vorbild dafür war die Überbauung Heizenholz, die die Architekten 2012 für die Genossenschaft Kraftwerk 1 in Höngg errichtet haben. Auch dort sind die Wohnungen über Balkone und Treppen erschlossen, die die Nachbarschaft fördern. Und auch dort lockert der Versatz um ein halbes Geschoss den Raum auf. Da der Hof nicht als Fluchtweg dient, kann er frei möbliert und bespielt werden. Zuoberst erschliesst die Treppenskulptur zwei Dachterrassen, die allen Bewohnern offenstehen.Am Geländer baumelt eine Schaukel, jemand hat Wäsch...
Die Hofmaschine

Die Genossenschaft Hofgarten nutzt in Zürich die Dichte als Katalysator für die Gemeinschaft. Dafür erhalten Adrian Streich Architekten den goldenen Hasen in der Kategorie Architektur.

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