Durch geschicktes Formen und Fügen vorgefertigter Betonteile entstand die spannungsvolle Fassade des Zölly-Hochhauses. Fotos: Pit Brunnder

Ausgeklügelt geflochten

In Zürich spriessen die Hochhäuser. Eines sticht heraus. 
Es verdient den Hasen in Silber mit der unauffälligen Eleganz des Äusseren und dem räumlichen Reichtum des Innern.

Den Bahnreisenden stellt es sich als der kleine, ernsthafte Bruder des Prime Tower vor. Den Glubschaugen und Kettenhemden anderer Wohnhochhäuser zeigt das Zölly die kühle, elegante Schulter. Weisse Marmorsplitter leuchten aus dem Grau seiner Fassade. Lisenen, mal nach rechts, mal nach links auslaufend, überlagern horizontale Bänder und Fensterbänke, werden von ihnen durchdrungen – ein ausgeklügeltes Betongespinst, 24 Geschosse hoch. Es gliedert das Haus in Gruppen von drei Etagen und, dezent, in Fuss, Körper und Kopf. Die obersten Etagen dehnen sich, scheinen den Himmel nach oben drücken zu wollen.An den Schmalseiten wechselt die Fassade den Rhythmus, weitet ihre Öffnungen auf anderthalbfache Etagenhöhe. Das gibt dem Hochhaus eine Richtung und deutet an, dass es auch innere Qualitäten zu bieten hat. Auf jeder Etage empfängt ein langer Flur in Holzfurnier und Marmorboden den Stadtbewohner, als würde sein nobles Privatreich schon hier beginnen. Betritt er seine Wohnung dann wirklich, geht sein Blick im hohen Wohnraum nach oben. Sein Nachbar darüber blickt über einen tieferen Bereich nach unten, und auch bei der Etage dazwischen, die nur normal hohe Räume besitzt, schaut man nicht einfach nur raus: Diagonal quert der Blick die gesamte Wohnung, bis zur verglasten Ecke. Von dort aus blickt der Stadtbewohner über das Gleisfeld und träumt von der Grossstadt.Für die Jury ist das Zölly ein bemerkenswertes Beispiel eines Wohnhochhauses. Seine Architekten gaben ihm nicht nur einen überzeugenden städtebaulichen Auftritt, sondern verbanden diesen mit bemerkenswerten räumlichen Erfindungen im Innern.Marcel Meili, Markus Peter ArchitektenNach dem Architekturstudium an der ETH Zürich respektive an der HTL Winterthur gründeten Meili und Peter 1987 ihr gemeinsames Büro in Zürich, dessen Projekte der Schweizer Architekturszene immer wieder wichtige Impulse gaben. 2007 kam ein ...
Ausgeklügelt geflochten

In Zürich spriessen die Hochhäuser. Eines sticht heraus. 
Es verdient den Hasen in Silber mit der unauffälligen Eleganz des Äusseren und dem räumlichen Reichtum des Innern.

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