Wird der Bahnhof geschlossen, zieht sich die Installation ‹118 minus 11 (Kerims Lampenladen)› in ihre volle Länge von 250 Metern auf. Fotos: Patrik Fuchs

Aus dem Rahmen leuchten

Dieses Kunstwerk am Hauptbahnhof Zürich verdient den goldenen Hasen in der Kategorie «Design». Der spartenübergreifende Blick auf seine Installation freut den Künstler Kerim Seiler.

Darf man Kunst im öffentlichen Raum unter dem Stichwort Design diskutieren? In diesem Fall schon. Das setzt allerdings zweierlei voraus: die Offenheit eines Designbegriffs, der sich nicht mit der gestalteten Oberfläche begnügt. Und eine künstlerische Haltung, die den öffentlichen Raum ernst nimmt – in der ästhetischen Aufwertung, aber auch in der praktischen Nutzung. Sowohl die Jury, die selten so interdisziplinär zusammengesetzt war wie in diesem Jahr, als auch das Projekt von Kerim Seiler erfüllten solche Voraussetzungen. Auch deshalb war die Auszeichnung von Beginn weg unbestritten.Ganze 250 Meter lang zieht sie sich in die Länge: Die Installation ‹118 minus 11 (Kerims Lampenladen)› markiert die Grenze zwischen Bahnhof und dem neu entstehenden Stadtteil Europaallee. Genauer: Sie zeigt, wo der Raum des Bahnhofs an der Perronkante des Gleis 51 aufhört und wo die Stadt anfängt. Um diese Stelle erfahrbar zu machen, setzt Seiler Licht und Bewegung ein. Seine Installation besteht aus 107 verschiebbaren Holzrahmen. Sie fassen zwischen Glas unterschiedlich angeordnete, überlange Neonröhren siehe ‹Massarbeit›, Seite 78. Auf vier Ebenen lassen sich die Rahmen hin und her und übereinanderschieben. So entstehen wechselnde visuelle Konstellationen, auf die der Blick der ein- und aussteigenden Passagiere fällt.Je nach Tages- oder Nachtzeit leuchten die Neonröhren stärker oder schwächer, schieben sich die Lichteffekte oder das grafische Spiel der Röhren in den Vordergrund. Zwischen zwei und sechs Uhr morgens fügen sich die Rahmen wie von Zauberhand zum Nachtabschluss des Bahnhofs zusammen. Nun ist die vorher durchlässige Grenze nicht nur visuell markiert, sondern mit einer leuchtenden Schranke versperrt. Zugleich wird die Installation in ihrer ganzen Länge sichtbar.Unangestrengt wechselt so das Werk zwischen Gebrauchsnutzen und ästhetischer Attraktion, verzichtet im ...
Aus dem Rahmen leuchten

Dieses Kunstwerk am Hauptbahnhof Zürich verdient den goldenen Hasen in der Kategorie «Design». Der spartenübergreifende Blick auf seine Installation freut den Künstler Kerim Seiler.

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