Das Eckhaus an der Fraumünster-/Poststrasse in Zürich. Foto: Caroline Krajcir Fotos: Caroline Krajcir
Im Auftrag von Kästli

Sorgfalt im Detail

Bei der Fassadenrenovation eines Eckhauses des ‹Zentralhofs› in Zürich galten strenge denkmalpflegerische Auflagen. Der Sonnenschutz der Firma Kästli und die dafür entwickelten Blenden erfüllen die Vorgaben.

«Ums Jahr 1830 war der Verkehr von und nach Zürich so lebhaft geworden, dass die Lage der Post im Gewinkel der Altstadt, im Niederdorf nicht länger zu halten war», beschreibt die NZZ in ihrer Abendausgabe vom 11. März 1969 die Ausgangslage, bevor 1838 an der Poststrasse der ‹Posthof› eröffnet wurde. Geplant hatte das Ensemble der Architekt Hans Conrad Stadler im Auftrag der Stadt. Die Poststrasse entstand in der Verlängerung der neuen Münsterbrücke als Ausfallachse Richtung Baden und ans linke Seeufer. Die Zeitung fährt fort: «Rasch wurde der ‹Posthof› zum Mittelpunkt des dem Tourismus aufgeschlossenen Zürich: nebenan erstellte der Hotelier Baur sein Hotel ‹en ville› und wenig später siedelte er sich auch ‹au lac› in der Nachbarschaft an.»


Die Fassade an der Fraumünsterstrasse. Plan: Alessandro Vassella

Der ‹Zentralhof› im Jahr 1883. Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich

Um 1870 bezog die Post einen Neubau an der Bahnhofstrasse. Die Architekten Adolf und Fritz Brunner bauten den ‹Posthof› zum Wohn- und Geschäftshauskomplex ‹Zentralhof› aus und um. Gerade diese Geschichte verlangt von einer Fassadenrenovierung Sorgfalt im Detail, die Architektur wird durch die Vorgaben der Denkmalpflege bestimmt. Das gilt auch für den Sonnenschutz: In seiner Analyse schreibt der verantwortliche Architekt Alessandro Vassella: «Gestalterisch besteht bei der Erneuerung die Aufgabe, eine für jeden Benutzungszustand optisch gute Lösung herbeizuführen, die sich harmonisch in das Gesamterscheinungsbild der beiden Blöcke einfügt und gleichzeitig bei einfacher Bedienung bezüglich des Unterhalts technisch optimiert ist.» In Zusammenarbeit mit der Firma Kästli Storen und in regelmässiger Rücksprache mit der Denkmalpflege der Stadt Zürich wurden die Farbkonzepte von Fenster und Blenden, der Storentyp und der Stoff bestimmt. Eingesetzt wurde eine filigrane Ausstellstore mit beigem Stoff, passend zum Sandstein des Gebäudes. Die Führungsstangen aus Edelstahl sind unauffällig in die Fensteröffnung montiert, von aussen sichtbar sind nur wenige Metallelemente.


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Filigrane Ausstellstore mit beigem Stoff.

Alte Fotografien zeigten dem Architekten, dass die Wohnhäuser ursprünglich nicht mit Sonnenschutz ausgestattet waren. Die Fensteröffnungen wurden ohne Rollladenkästen konstruiert. Ein historisches Vorbild für den aussenliegenden Sonnenschutz gab es also nicht. Im Sinne einer wenig auffallenden Lösung hätte Alessandro Vassella gerne eine Ausstellmarkise ohne Blende verwendet. «Doch wenn die Rollos insbesondere im Handbetrieb unterschiedlich weit nach oben gezogen werden, ergibt sich ein uneinheitliches Bild.» Also entschied sich der Architekt für eine Blende, die die Welle samt Befestigungselementen kaschiert.

Die Storen von Kästli und die Blenden wurden an dieser Strasse nicht zum ersten Mal eingesetzt. An der Fraumünsterstrasse 29 kam die gleiche Blende zum Einsatz wie beim Umbau gegenüber der Nationalbank, ein paar Häuser weiter Richtung See. Die Manufaktur Sigerist in Schöftland konnte das damals eigens im Auftrag von Kästli entwickelte Werkzeug ein zweites Mal einsetzen. Sie prägte eine rechteckige Vertiefung ins Blech, die die Struktur der Fassade mitprägt. Von den vom Denkmalschutz vorgegebenen dunklen Fensterrahmen bekam sie ihre schwarzgrüne Farbe. «Die Blenden sehen modern aus, sind aber das Ergebnis einer aussterbenden Handwerkskunst», fasst Chef Marc Kästli zusammen.


Die Abdeckbleche mit ihrer Vertiefung prägen das Fassadenbild mit.

Das Haus nach der Sanierung, mit dem eingepassten Sonnenschutz.

Als 1969 das Eckhhaus des ‹Zentralhofs› gegen die Bahnhofstrasse abgebrochen wurde, befürchtete die NZZ, «dass Zürich wiederum einen Teil von der Atmosphäre einbüssen werde, die für sein 19. Jahrhundert charakteristisch ist». Doch die Sorge war unbegründet, berichtete die Zeitung: «Rücksicht waltete.» Gleiches lässt sich heute von der Fassadenrenovierung an der Poststrasse 1 sagen.

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Kommentare

Andreas Konrad 28.08.2021 23:42
Schön ! Der seltsame Neubau aus den 70-ern im Geviert aber gehört abgerissen.
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Ich kann das Bild nicht lesen