«Man muss auch krumme Bäume zulassen»

Der Wald ist mehr als nur Holzlieferant – vor allem in Siedlungsnähe. Der Raumplaner und Forstingenieur Philipp Maurer fordert deshalb mehr Erholungswald. 

Fotos: Alexander Jaquemet

Der Wald ist mehr als nur Holzlieferant – vor allem in Siedlungsnähe. Der Raumplaner und Forstingenieur Philipp Maurer fordert deshalb mehr Erholungswald. 

Gibt es einen Wald, in dem Sie sich besonders gut erholen? Philipp Maurer: Es gibt keinen Lieblingswald. Es gibt einfach immer wieder Orte im Wald, wo ich gerne hingehe, weil sie mich faszinieren. Ich mag zum Beispiel abwechslungsreiche Waldpartien mit mächtigen alten Bäumen oder mit Bäumen mit ganz unterschiedlichen Wuchsformen. Mir gefallen auch offene Wälder, die Licht durchlassen, sodass eine interessante Krautschicht entsteht. Gerade diese Offenwälder werden in den letzten Jahren aus ökologischen Gründen vermehrt gepflegt. Mir bringen vielfältige Waldabschnitte das schönste Erlebnis und die grösste Erholung. Und das Wäldchen im Flughafenpark beim ‹Circle›, an dem Sie beteiligt waren: Hat es diese Erholungsqualität? Ja. Auf einer Teilfläche haben wir einen Offenwald, wo Wald und Wiese zusammenkommen, kreiert. Auf der anderen Fläche haben wir gezielt Waldbilder geschaffen, die eben nicht uniform sind, die Ein- und Durchblicke zulassen und wo Kräuter blühen. Sie haben vom ‹Offenwald› gesprochen, also von fast parkähnlichen Szenerien. Das ist vermutlich nicht der Lieblingswald der Förster, sonst käme dieses Bild häufiger in unseren Wäldern vor. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Dauerwald als Bewirtschaftungsform etabliert. Das heisst: Die Förster mischen die Baumarten kleinräumig und lassen verschiedene Altersstufen nebeneinander wachsen. So hat sich ein einheitliches, man könnte auch sagen langweiliges Waldbild entwickelt. Aus Sicht der Förster ist diese Bewirtschaftungsform gut, da sie das Ziel erfüllt, Holz zu erwirtschaften und Biodiversität zu sichern. Es braucht marktgängige Arten und Wuchsformen, die gute Preise erzielen. Das ist an den meisten Orten auch eine richtige Zielsetzung. Sie kann aber nicht die einzige Aufgabe des Waldes sein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass ein wirtschaftlich optimierter Wald aut...

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