Pro Helvetia fördert 59 Projekte mit dem Call «Close Distance»

In naher Distanz

Wer wissen will, was Kunst und Gestaltung im Lockdown angetrieben hat, blättert durch die Liste der von Pro Helvetia geförderten Projekte. Die Ausschreibung «Close Distance» stiess auf grosses Interesse.

Rekordverdächtige 591 Eingaben erhielt die Kulturstiftung auf die Ausschreibung «Close Distance». Pro Helvetia wollte damit  Kunstschaffende und Institutionen ermutigen, neue Formate zu entwickeln, die kreativ mit der Distanz umgehen, die uns der Virus auferlegt. Knapp zehn Prozent erhielten nun eine Förderung. Darunter sind Institutionen wie das Théâtre Vidy oder das Kunstmuseum Basel, die Shedhalle, das Belluard Bollwerk oder das HEK. Nicht alle Projekte sind eben erst entstanden, aber alle mussten sich im Zeichen des Virus neu ausrichten. Oder nehmen auf, was der Virus mit uns macht, wie zum Beispiel Yan Duyvendak mit seinem Virus#Virus Theater, das eben am Theaterspektakel in Zürich zu sehen ist.

Auffallend auch, wie viele sich auf Plattformen im digitalen Raum stützen. Versammlungsverbote, Grenzschliessungen, Reisebeschränkungen und Distanzregeln rütteln an Produktions- und Präsentationssystemen, die im Internet scheinbar einfach überwunden werden. Egal, ob der Aufruf supportsmalllabels.ch zum Kauf aufruft oder Künstlerinnen und Künstler auf onsightsite.ch vorgestellt werden – Sichtbarkeit wird mit mehr oder weniger traditionellen Online-Formaten hergestellt. Andere wollen gleich diezukunftkuratieren.ch oder die eigene Präsenz stützen. Das Homelife wird zum Stillife instagrammisiert. Und wieder andere blicken gar in die Zukunft wie futuress.org, das dazu aufruft, noch nicht geschriebene, aber dringend gewünschte Bücher zum Thema Design zu versammeln. Oder mal richtig hinzuhören, auch wenn es schmerzt: p-a-i-n.org will elekronische Musik per realtime brodacasting unter die ZuhörerInnen bringen. Andere bleiben in analogen Formaten, aber auch die müssen auf die Krise der Sichtbarkeit und Vermittlung reagieren, sobald das Publikum in erzwungener Distanz bleibt.

Die Entdeckungen auf der Liste der 59 Projekte, die mit Beiträgen zwischen CHF 5’300 und CHF 35’000 unterstützt werden, sind vielfältig und zahlreich – und man fragt sich, was die 90 Prozent der nicht geförderten Projekte wohl an Überraschungen bereithalten würden. Seraina Rohrer, Leiterin des Bereichs Innovation & Gesellschaft bei der Kulturstiftung zeigt sich denn auch erfreut über Breite, Tiefe und kreativen Schub, den die Eingaben offenbarten. Was davon längerfristig Wirkung zeigt und in die Zukunft weist, ist offen. Denn was für die einen Chance bedeutet, bleibt für viele andere schwierig: Die Distanz erzwungen, die Immobilität lähmend, die Zukunft ungewiss, der Echoraum tot.  

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